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Gottfried von Straßburg - Tristan und Isolde

Gottfrieds Vorlage für Tristan und Isolde war das Gedicht des Franzosen Thomas. Tristan von Parmenien, ein früh verwaister junger Held, hat für seinen Oheim, den König Marke von Kornwall, im Zweikampfe Morolt, den Schwager des Königs Gurmun von Irland, getötet, aber durch Morolts vergiftetes Schwert eine Wunde erhalten, die nur die Königin von Irland, Isolt, heilen kann. Unter dem Namen Tantris, als Spielmann verkleidet, unterrichtet Tristan die Tochter der Königin, ebenfalls Isolt genannt, in seiner Kunst und wird dafür von der Mutter geheilt. Unterdess beschließt König Marke von Kornwall, sich mit Isolt zu vermählen und sendet deshalb den zurückgekehrten Tristan nochmals nach Irland als seinen Brautwerber. Er erschlägt hier einen Drachen, wird dabei verwundet und von Isolt Mutter und Tochter, die in ihm den Sänger Tantris wiedererkennen, gepflegt. Leise beginnt in der jungen Isolt eine zarte Neigung für den jungen Helden zu erwachen, als sie plötzlich erfährt, dass sie den Mörder ihres Oheims Morolt gepflegt hat. Im ersten Zorn will sie Tristan ermorden, doch:

Sie tat nur so vor Zorn und Leid,
Als wäre sie dazu bereit.
Sie hätt` es auch vielleicht gewagt,
Hätte das Herz ihr nicht versagt.


Tristan bringt seine Werbung vor, und Isolt folgt ihm als Braut König Markes nach Kornwall. Die fürsorgliche Mutter gibt der Vertrauten Isoltens, Brangäne, einen Zaubertrank für Marke und Isolt mit, der die beiden, die von ihm trinken, in untrennbarer Liebe verbindet. Während der Seefahrt trinken Tristan und Isolt zufällig diesen Trank, und nun kämpfen Treue des Mannes und die Scham des Weibes vergeblich gegen die Allgewalt der Minne. Es beginnt ein Ehebruchsroman, dessen Schändlichkeiten an die Worte des großen Seelenkenners Tacitus erinnern: „Hat ein Weib die Scham verloren, so wird sie nichts mehr verweigern.“ Gleich für die Hochzeitsnacht „fand“, wie der Dichter sagt, „den besten Rat das Kind, wie an Isolt der Raub der Liebe, dem König nun verborgen bliebe“. Die Jungfrau Brangäne muss an Isoltens Stelle treten; kaum ist das geschehen, so wechselt Isolt mit Brangäne den Platz und gibt sich dann selbst dem Könige hin. Das ist frivol; aber von geradezu gemeiner Gesinnung zeugt es, dass Isolt die einzige Mitwisserin des Betrugs, Brangäne, ermorden lassen will, was nur durch das Mitleid der gedungenen Knechte im letzten Augenblicke verhindert wird. Nun folgt ein unglaublich raffiniertes Ränkespiel, durch das es der in allen Künsten des Betrugs gerechten Königin immer wieder gelingt, ihren verliebten Gatten von ihrer Unschuld zu überzeugen. Zuletzt soll ein Gottesgericht darüber entscheiden. Gleichwie die Mörder in Shakespeares Dramen, bevor sie sich zum Morde rüsten, so ruft Isolt Gottes und Christi Hilfe und Beistand in ihrer Not an.

Im stillen Herzen hoffte sie
Getrost auf Gottes Courtoisie.

Und diese Hoffnung sollte sie nicht betrügen. Tristan trägt unerkannt und als Pilger verkleidet Isolt vom Schiffe ans Land und fällt mit seiner schönen Bürde am Strande nieder. Nun schwört Isolt, dass sie nie neben einem anderen Manne gelegen habe außer ihrem Gatten und diesem Pilger. Dann nahm sie getrost das glühende Eisen in die Hand:

Sie griff es an auf Gottes Gnaden
Und trug das Eisen ohne Schaden.
Da wurde deutlich wohl und klar…
Daß unsern lieben Herrgott man
Wie einen Ärmel wenden kann…
Zu Trug wie zur Wahrhaftigkeit,
Zu Ernste wie zur Spielerei,
Wie man`s begehrt, er ist dabei.


Das Spiel beginnt von neuem, und der arme Tropf von Ehemann, der, was er sah und wusste, nicht sehen und wissen wollte, verbannt das Paar von seinem Hof. Die Wonne und das Glück der Liebenden, die nun eine Zeitlang in einer Felshöhle der Wildnis hausen, hat der Dichter mit dem Zauber und den glühenden Farben seiner großen Kunst geschildert. Auf einer Jagd, durch deren Lärm die Liebenden von der nahen Gefahr unterrichtet werden, kommt der König an die Minnegrotte und sieht das Paar schlafend, aber in abgekehrter Stellung und mit dem bloßen Schwert zwischen ihnen. Nun bereut er seine Strenge, nimmt sie wieder in Gnaden an seinen Hof, bis er die Liebenden einmal ohne Schwert und in nicht abgekehrter Stellung überrascht. Auch jetzt noch hätte der König gern verziehen; aber Tristan, der nach dieser Entdeckung seinen Tod befürchten musste, war sofort, nach einem ergreifend geschilderten Abschied, in dem die Liebenden sich Treue bis in den Tod schwören, in das Normannenland geflohen. Die Treulosigkeit gegen seinen König und Oheim, das niedrige Spiel der List und des Betrugs hat den Helden innerlich zerrüttet. Er kommt zu einer anderen Isolt, Isolt Weißhand genannt, und verliebt sich in sie trotz der gelobten Treue. Das Schwanken zwischen der alten und der neuen Liebe, die sophistischen Gründe, die für die gern gewollte Treulosigkeit sprechen, und unter denen sich ein Motiv wie das folgende findet:

Die Luft, der ich entsage,
Die hat sie alle Tage.

sind das Letzte, was Gottfried geschrieben hat.

Gottfrieds Werk fortgesetzt und beschlossen, wenn auch nicht mit der Kunst Gottfrieds, haben Ulrich von Türheim, etwa 1240, und am Ende des Jahrhunderts Heinrich von Freiberg. Tristan heiratet Isolt die Weißhändige, wird bei einem Kampfe durch einen vergifteten Pfeil verwundet und sendet zur blonden Isolt einen Boten, damit sie komme und ihn heile. Ein weißes Segel soll das Schiff zeigen, wenn es Isolt mitbringt, wenn nicht, ein schwarzes. Als nun das Schiff mit der blonden Isolt sich dem Lande nähert, sagt Isolt die Weißhändige zu ihrem todkranken Gatten: Das Segel ist schwarz wie Kohle. Diese Botschaft tat Tristan so wehe, dass er sich umwandte und starb. Als nun die blonde Isolt den Geliebten tot sah, brach ihr vor Kummer das Herz. In einem Kloster ließ Marke die beiden begraben in zwei getrennten Marmorgräbern. Einen Rosenstock setzte er auf Tristans Grab, auf Isoltens eine Rebe. Aber ihre Liebe ging noch über das Grab. Rose und Rebe flochten sich ineinander.


Nach Quelle: Die deutsche Dichtung. Grundriß der deutschen Literaturgeschichte von Karl Heinemann, Alfred Kröner Verlag Leipzig 1911.

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