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Haug - Christian von Halme, Seligkeit der Liebe

Johann Christoph Friedrich Haug (* Niederstotzingen 1761 + Stuttgart 1829)

Mit fröhlichem Leibe,
Mit Armen umfangen,
An`s überschwellende Herz gedrückt,
Vom göttlichsten Weibe
Mit küßlichen Wangen
Hold angelächelt - o das entzückt!
Zwey Herzen sind`s, und ein einziger Leib
Nur noch in Worten Mann und Weib.
Da muß die Traurigkeit schwinden!
Da läßt der Liebe seligster Bund
Sie lange kein Wort verkünden.
Da küßt der Gebliebte den süßesten Mund.
Kein Sang thut würdig die Wonne kund.

Die Neigung der Frauen
Schafft minnlichen Herzen
Bisweilen Kummer, bisweilen Trost.
Sie heimlich zu schauen,
Vergütet die Schmerzen.
Da wird gelispelt, geküßt, gekost.
Ja, wo vier Arme sich schließen in Eins,
Dem Wundertheile gleichet kein`s.
So engvertraut mit der Lieben,
Begünstigt durch ihr freundliches Ja
Wird Zweifel und Sorge vertrieben.
Da drücken zwey Busen sich also nah -
Raum fände kein dünnes Blättchen da.

Wenn gerne betrachtend
Vier Augen sich weiden,
Dann pochen und lohen der Herzen zwey.
Sie grüßen sich schmachtend.
Ob Leiden, ob Freuden
Ihr Gott verhänge, sie theilen`s treu.
Im Stillen nimmt das glückliche Paar
Der hohen Minne Zauber wahr.
Ach, Mund an Munde vergessen
Sie rings, was ist. Die Erde zerstiebt,
Ihr Himmel ist nicht zu ermessen. -
Den herrlichsten Sieg doch gewinnt, wer liebt.
Wohl dem, der Minne mit Züchten übt.

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