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Tieck - Burkard von Hohenfels, 1. Lied

Ludwig Tieck (* Berlin 1773 + Berlin 1853)

Mein Herze hat meinen Sinn
Wild zum Jagen ausgesandt,
Der fährt nach mit meinem Muthe,
Vor ihnen fahren viel Gedanken hin,
Denen ist das viel wohl bekannt
Daß das Wild steht in der Huthe
Bey der, der ich Dienstes bin bereit,
Ihr Sinn, ihr Muth, ihre Gedanken,
Kann vor ihnen mit Künsten wanken,
Wohl bedürft ich Fuchses Kundigkeit.

Wie wird mir das stolze Wild,
Das ist schnell, weise und stark?
Schnelles Denken fährt vor Winden,
Weiser Sinn bey Menschen spielt,
Stärke in Löwen sich stets barg:
Dem geleich ihren Muth ich finde,
Ihre Schnellheit mir wanket hohe empor,
Ihre Weisheit mich überwindet,
Mit ihrer Stärke sie mich bindet,
So ihre Schöne mich bethörte hievor.

Trauern mit Gewalt hat
Geankert in meines Herzens Grund,
Davon hoher Muth mir wildet,
Freuden-Seegel von mir gaht,
Werther Trost ist mir nicht kund,
Sie ist mir in dem Muth gebildet
Wohl versiegelt und beschlossen, traun,
Wie der Schein ist in der Sonnen,
Die Band haben die Kraft gewonnen,
Daß sie brechen nicht des Greifen Klaun.

Ihrer viel lichten Augen Blick
Wirfet hoher Freuden viel,
Ihr Gruß der giebt Heil und Ehre,
Ihre Schöne die legt den Strick
Der Gedanken fangen will,
Dazu giebt ihr Gedanke Lehre
Mit Zucht, daß es von ihr Niemand wissen soll,
Wes Gedanken sich gegen sie schwinget,
Minne den so ganz bezwinget
Daß er giebt gefangen Freuden-Zoll.

Minne fährt viel wilden Strich
Und sucht die Spur der Treue,
Zu der Bahn will sie sich richten,
Wunderlich gefällt sie sich
Und spielt ihr Freuden mancherleye,
Wünsche will sie ihr ausrichten,
Mit Gedanken sie sie ergötzen kann
Wonniglich in ihrem Sinne,
Herzelieb von dem Gewinne
Scheiden muß, wenn sie Treue nicht gewann.

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