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Tieck - Heinrich von Morungen, Frauenlob

Ludwig Tieck (* Berlin 1773 + Berlin 1853)

Sie ist zu allen Ehren ein Weib wohl erkannt,
Schöner Geberde mit edler Züchtigkeit,
So daß ihr Lob in dem Reiche ummegaht,
Wie der Monde wohl ferne über Land
Leuchtet des Nachtes wohl licht und breit,
So daß sein Schein all die Welt ummefaht,
So ist mit Güte ummefangen die Schone
Des man sie hat vor allen Weiben zur Krone.

Dies Lob beginnet viel Frauen verschmahn,
Das ich die meine vor allen andern Weib
Hab zu einer Krone gesetzt so hoh
Unde ich deren keine ausgenommen han,
Des ist viel lauter vor Falsche ihr der Leib
Schlank wohl gewachsen viel herrlich und froh,
Des muß ich in ihren Gnaden bleiben
Gebietet sie so meine liebste vor allen Weiben.

Gott lasse mir sie viel lange leben gesund
Die ich an weiblicher Treue noch stets fand
Seit sie mein Leib zu einer Frauen ersehn,
Wohl ihr viel Süßen, viel roth ist ihr der Mund,
Ihre Zähne weiß ebene, viel ferne erkannt,
Durch die mir alle Untreue mußte vergehn,
Als man sie lobte also reine und weise,
Sanfte und schön darumme ich sie noch preise.

Ihre Tugend reine ist der Sonnen gleich,
Die trüben Wolken bekommen wohl Glanz
Wenne in dem Meyen ihr Schein ist so klar,
Des werde ich steter Freude viel reich,
Des überleuchtet ihr Lob also ganz
Weiber und Frauen, die besten fürwahr
Die man benenne im Teutschen Lande
Hier oder dar so ist sie es die besser Erkannte.

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