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Tieck - Johann Hadloub

Ludwig Tieck (* Berlin 1773 + Berlin 1853)

Ach, mir muste lange nach ihr so wehe seyn,
So dachte ich viel bange: wie würde ihr des Schein?
Ich nahm ihrer in Achte im Gewande als ein Pilgerlein,
Daß ich`s am heimlichsten machte als sie kam aus der Messe fein,
Da hatte ich von sehnender Klage
Einen Brief, daran ein Haken was,
Den hing ich an sie, das war vor Tage,
Daß sie nicht wisse das.

Mir däuchte sie dachte: ist das ein thöricht Mann?
Was wollte er in der Nachte daß er mich greifet an?
Sie fürchte sich sehre meine Fraue wohlgethan,
Doch schwieg sie um ihre Ehre, viel bald sie mir entrann;
So fürchte mich so nahe,
So eilte sie hinein,
So daß Niemand den Brief an ihr sahe,
Sie bracht` ihn heimlich ein.

Wie sie ihm da thäte das ward mir nicht gesagt,
Wenn sie ihn hingeworfen hätte, so sey`s von mir beklagt,
Laß sie ihn mit Sinne fand Seligkeit die Magd
Tiefe Rede von der Minne woran mein Herz verzagt.
Sie that dem nie geleiche
Daß ihr meine Noth je rechte wurde kund,
O weh, reine Minnigleiche;
Du machst mich sehre wund!

Ich durfte nicht senden nie keinen Bothen ihr,
(Sie wollte sich nie wenden ihren Trost erzeigen mir,)
Der ihr kund thäte wie ich liebe für und für,
Und sie um Gnade bäte nach meines Herzens Begier,
So furcht ich ihre Ungedulde,
Denn sie ist mir darum gehaß
Daß ich so gar gerne hätte ihre Hulde,
Warumme thut sie das?

Mein Herze sehre sie mir durchbrochen hat,
Denn sie dadurch die Here gar gewaltiglichen gaht,
Hin und herwieder, doch es sie gerne empfaht,
Sie läßt sich drinne auch nieder mit Wonnen die sie hat,
Sie kann sich fugsam schicken
Wie sie auch größer denn mein Herze sey,
Wie sie auch drinne geht mag sie es nicht erdrücken,
Arges ist sie so frey.

Mich dünket, der säche, meine Fraue wohlgethan,
Der mir die Brust aufbräche, in meinem Herzen stahn,
So lieblich reine gar weiblich lobesan,
Ich achte es doch nicht kleine daß ich sie so mag han,
Nun muß sie mir das noch gunnen,
Wie sehr sie sich entfremdet mir,
Doch gönnte sie mir nie die rechten Wunnen,
Die ich anmuthe ihr.

O weh die Minne was hat sie mir gethan,
Und ich doch meine Sinne an ihr behalten han,
Daß noch mein Herze nie Trost von ihr gewann,
Des will mich sehnender Schmerze in Noth besiegen an,
Sie kehre mir`s denn noch zu Gute,
Daß sie die Reine zwinge gegen mir eh,
Daß mir durch ihre Treue der Leiden Huthe
Zu meinem Heile vergeh.

Ich erging mich vor der Stadt von ungefähr,
Da dachte ich sehr
Lieblich an sie,
Und plötzlich ersah ich ferne ihren schönen Leib
Wo schöne Weib
Saßen um sie,
Da gönnte sie mir nicht Freuden von ihr,
Sie ging von dannen wo sie sah daß ich kam her,
Das nimmet noch sehr
Viel Freuden mir.

Liebe Mähre sagte doch ein guter Ritter mir,
Daß lieblich ihr
Mund von mir sprach,
Sie sprach: wo ist mein Geselle? das war minniglich,
Ich freue mich
Daß es geschah,
Daß sie von mir mochte reden so,
Das schadet ihr viel wenig und hilfet mir wohl,
Sie ist Tugenden voll,
Des bin ich froh.

Ich begegnete ihr, wo sie alleine war,
Da sprach ich gar
Kein Wort zu ihr,
Ich erschrack vor Minne, ich konnte nicht vor, nicht dann,
Ich sah sie recht an,
Das ward doch mir,
Sie ging auch für, daß sie nicht grüße mich,
Das verzagte mich auch, daß ich da nichts sprach,
Und da ich sie sach
So minniglich.

Minne säumet an mir sehre ihrer Treuen sich,
Sie zwinget mich
Minnen so hoch,
Wie sie nie meine Fraue gegen mich bezwang,
Sie habe Undank,
Wie thut sie so?
Was habe ich ihr gethan? Sie schwächet sich,
Zwänge sie zu mir ihren Leib so Tugende voll,
So thäte sie wohl;
Wes zeihet sie mich?

Daß die Minne mich so sehre bezwingen kann.
Und daß sie dann
Ihren Leib läßt frey,
Davon weiß ich, daß sie hat verrathen mich,
Sie kehre sich
Auch an sie dabey,
Und zwinge sie, daß sie mir muß Gnade tragen:
O weh, Minne, willt du das thun, so thu es bey Zeit,
Denn sehnender Streit
Will mich erschlagen.

Fraue mein, ich mahne der rechten Treue dich,
Denn die hab ich
Rechte zu dir,
Daß du mir das gönnest, daß ich zu dir geh,
Wo Niemand meh
Sey, als nur wir,
Ohn` arge List bitte ich das Fraue von dir,
Ich wollte nichts als klagen dir mein sehnendes Leid,
Ach Seligkeit
Das gönne mir!

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