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Von den Minnesängern

Aus: Deutsche Anthologie
oder Blumenlese aus den Klassikern der Deutschen
von Friedrich Rassmann
Erstes Bändchen: Die Minnesänger
Zwickau, 1821
Bey den Gebrüdern Schumann

Minnesänger oder Minnesinger werden diejenigen Dichter genannt, welche überhaupt von der Mitte des 12ten bis zur Mitte des 14ten Jahrhunderts (1138 - 1347) ; hauptsächlich aber unter den schwäbischen Kaisern aus dem Hause Hohenstaufen in Deutschland sich auszeichneten, aus welchem Grunde man sie auch schwäbische Dichter nennt. Minnesänger heißen sie von dem Wort Minne, oder Liebe, obschon die Liebe nicht der einzige Gegenstand ihrer Lieder war. Die Troubadours waren ihre Muster; die schwäbischen Lieder ein Nachhall der provenzalischen. Die erhöhte Kultur, die der deutsche Adel von den Kreuzzügen mit in die Heimath brachte, führte eine feinere Erziehung, Geschmack an den Künsten und Hang zu edleren Vergnügungen herbey. Den ganzen Stand der Ritter ergriff nach und nach die Liebe ; alle dichteten und erhoben so die Poesie zu einer ritterlichen Uebung. Ritterabentheuer, Liebe und Galanterie machten den Inhalt ihrer Lieder aus.

Blick auf den Hohenstaufen

Unter Friedrich dem Rothbart endlich erreichte die Poesie eine Bedeutung und Höhe, wie nie vorher. Alles rang um Preiss` und Dank aus schöner Hand, und um Kränze an den Höfen der Fürsten und in den Kunstspielen. Kaiser, Könige, Fürsten, Päbste, Kardinäle, Feldherren und Magistratspersonen bemühten sich Künste und Wissenschaften zu unterstützen und trieben sie selbst. Die Sänger dieser Perioden waren freylich nicht alle auserwählt. Der schönen, lieblichen, naiven Lieder giebt es bey weitem nicht so viele, als der matten, geist- und geschmacklosen ; da die Minnesänger aber als die ersten deutschen Dichter zu betrachten sind, so muss auch das weniger Gelungene nicht verschmäht werden. Die dichterischen Arbeiten dieser Periode waren also immer ein guter Anfang, die Sprache, den Geschmack und die Sitten der Deutschen zu bilden und zu verfeinern. Man darf sie aber auch nicht überschätzen, denn mancher leyerte auch blos, anstatt zu singen.

Die Blüthe dieser Periode währte vom letzten Viertel des 12ten bis zum ersten des 14ten Jahrhunderts, also etwas über 140 Jahre. Die köstlichste Zeit des Minnegesangs fällt in die Jahre 1170 bis 1300, oder von Heinrich von Veldeck bis zum Heldengedicht auf den Landgrafen Ludwig in Thüringen, im Jahr 1304. In dieser ganzen Zeit ist die Dichtkunst angenehm durch Wahrheit, Herzlichkeit und Reichthum der Phantasie. Am meisten und besten wurde die Liebe besungen. Die Gedichte der Minnesänger sind entweder episch oder lyrisch. Die der letztern Gattung sind in der von Manesse (1758) veranstalteten Sammlung enthalten. Die ersten befinden sich in C. H. Müllers Sammlung deutscher Gedichte des 12ten bis 14ten Jahrhunderts.

Mühlhausen in Thüringen

Aus der Manessischen Sammlung hat Ludwig Tieck 220 Lieder bearbeitet, und unter dem Titel: Minnelieder aus dem schwäbischen Zeitalter (Berlin 1803 gr. 8.) herausgegeben ; andere deutsche Dichter, wie Haug, Gräter, Gleim, Lang, Hermes bildeten mehrere derselben im jetzigen Deutsch glücklich nach. Tieck`s Ausgabe, von einigen erhoben, wird von andern sehr herabgesetzt. Er wählte bey seiner Bearbeitung eine Art, die ein Mittelweg zwischen dem ursprünglichen Texte und einer ganz modernen Einkleidung seyn soll. Ganz unverständliche Wörter liess er weg, halb verständliche behielt er bey. Damit aber machte er es weder dem Sprach-Forscher, noch dem blosen Dilettanten recht, und setzte beyden nur ungeniesbare Speise vor. Schillers Urtheil über Thiecks Minnelieder ist besonders hart. Er sagt: „Wenn die Sperlinge auf dem Dach je auf den Einfall kommen sollten, zu schreiben, oder einen Almanach für Liebe und Freundschaft herauszugeben, so lässt sich zehen gegen eins wetten, er würde ungefähr eben so beschaffen seyn. Welch eine Armuth an Ideen, die diesen Minneliedern zum Grunde liegt ! Ein Garten, ein Baum, eine Hecke, ein Wald und ein Liebchen ; ganz Recht ! das sind ungefähr die Gegenstände alle, die in dem Kopfe eines Sperlings Platz haben. Und die Blumen, die duften, und die Früchte, die reifen ; und ein Zweig worauf ein Vogel im Sonnenschein sitzt und singt, und der Frühling der kommt, und der Winter, der geht, und nichts, was da bleibt, - als die lange Weile,“ -

Der älteste bekannte dieser Liederdichter ist Heinrich von Veldeck (um 1180). Ihm folgen, mit derselben Trefflichkeit ausgestattet, Walther von der Vogelweide, Reinmar der Alte, Reinmar von Zweter, Ulrich von Lichtenstein, Wolfram von Eschilbach, Hartmann von der Aue, Heinrich von Morungen etc. ; die alle zu Ende des 12ten und Anfang des 13ten Jahrhunderts lebten und sangen. Zu den spätern vorzüglichen Dichtern aus dem Ende des 13ten Jahrhunderts, nach dessen Ablauf sie nach und nach verstummten, oder den rohern Meistersängern wichen, gehören Konrad von Wirzburg und Johann Hadloub.

 Wolfram von Eschilbach

Unter den epischen Gedichten jener Periode (aus denen die Etui-Bibliothek späterhin auch Proben gegeben wird), behauptet an Alter, Originalität und innerer Trefflichkeit den Vorrang das Lied der Niebelungen, das Hauptwerk aus dem Fabelkreis, den das spätere Heldenbuch umfasst. Es hat dieses deutsche Volkssagengedicht mit dem griechischen die Ungewissheit des Urhebers gemein ; ob Konrad von Wirzburg oder Heinrich von Ofterdingen der Verfasser sey, ist noch nicht entschieden. -

Unter den Verfassern der lyrischen Gedichte hebt Tieck besonders den Thüring, Albrecht von Raprechtsweil, Ulrich von Gutenberg, Wolfram von Eschilbach, Ulrich von Lichtenstein, Hamle und Hadloub heraus. Er liefert die schönsten ihrer Gedichte, aus denen wir die mehresten für unsere Sammlung genommen, und zur Vermeidung der Einförmigkeit, mit den Nachbildungen anderer Dichter untermischt haben.

Ueber die Literatur der Minnesänger belehrt man sich ausführlicher ; 1) in Jördens`s Lexikon der Dichter etc. III. B. S. 584 - 669. 2) in Bodmers kritischen Briefen. (1746 - 63) - 3) in dem deutschen Museum 1776. u. f. Jahrg. - 4) in Adelungs Magazin. (1783.) B. II. III. - 5) in Gräters Bragur ; durch alle Bände, so wie in dessen Braga und Hermode. Tieck hat seiner Sammlung eine geistreiche Einleitung vorgesetzt, die über die Geschichte und den Karakter des Minnegesangs viel Licht verbreitet.  

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