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Amerikanische Notizen

Unveränderter Originaltext aus der Zeitschrift:

Das Ausland. 
Eine Wochenschrift für Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker.
Nr. 3, 20. Januar 1854, S. 69

Autor: N.N.

Zuckerrohr-Plantage in Lateinamerika

Der Zustand der französischen Colonie Guyana

wird in einem Artikel des Siecle vom 25 December folgendermaßen geschildert: „der Stand der Dinge bessert sich nicht, die Mehrzahl der großen Häuser hat aus Mangel an Händen ihre Arbeiten eingestellt. Die Verbrecher sind in keiner sehr günstigen Lage trotz aller Sorgfalt und Bemühungen der Verwaltung: sie gewöhnen sich schwer ans Klima, die Zahl der Kranken ist bedeutend, und die Arbeit, die sie liefern, mit den Kosten in keinem Verhältniß. Die alten Colonisten leben der Hoffnung, daß die Regierung sie in der Einführung freier Arbeiter oder Culis unterstützen werde, wie dieß in andern Colonien geschehen. Während so die Geschäfte in Guyana schlecht stehen, nimmt zu Para alles einen ungeheuren Aufschwung. Die Amerikaner strömen dahin und man erwartet demnächst Dampfboote, welche zur Beschiffung des Amazonenstroms bestimmt sind.“

Chinesen als Arbeiter in Guyana und auf Trinidad

Der Versuch die Chinesen als Arbeiter an die Stelle der Neger und der Culis zu bringen, ist von diesen beiden Colonien gemacht worden und glücklich ausgeschlagen. Eine kürzliche Veröffentlichung  der englischen Regierung  (s. Times 12 Januar) gibt darüber Nachrichten. Man ist bei der Auswahl der Leute nicht sonderlich sorgsam verfahren, sie kamen ohne Dolmetscher, und bestanden bloß aus Männern, doch machten sie sich freudig an die Arbeit, und zeigten eine Fügsamkeit, daß man hoffen kann, sie werden die besten Arbeiter in der Colonie werden. Die ersten kamen im Januar vor. J. an, und bestanden aus 350 Köpfen, denen im März noch 300 andere folgten. Nach dreimonatlicher Erprobung zog man sie im allgemeinen den Culis als körperlich kräftiger vor. Sie sind sehr erwerbsüchtig, und klagen, daß man sie nicht am Sonntage auch arbeiten lassen will, dennoch lassen sie sich an Nahrung und Kleidung nichts abgehen. Aus Trinidad lauten die Nachrichten ähnlich: es kamen dort im März, April und Julius 988 Köpfe an, und nach wenigen Wochen erklärten sich die Pflanzer, welche sie in Arbeit genommen hatten, dahin, daß sie intelligenter als die Neger und stärker als die Culis seyen. Sie scheinen indeß, wie sich aus der entschiedenen Abneigung einiger Colonialzeitungen ergibt, sehr zu gewaltthätigen Verbindungen unter einander hinzuneigen, was jedoch nur vortritt, wenn man ihre eigenthümlichen Ansichten nicht respectirt; sonst sie gelehrig und unterwürfig, und obwohl einige wegen Diebstahl, Ausreißen und verweigerter Arbeit ins Gefängniß kamen, so sind das doch wenige Ausnahmsfälle. Man bemerkt namentlich, daß sie sich sehr gewandt in neue Werkzeuge finden, die der Neger gar nicht gebrauchen würde. Die Mühe, die sie sich geben, ihre Arbeit gut auszuführen und der Umstand, daß ihre Häuser „Muster von Reinlichkeit und Ordnung“ sind, erklärt die Nachricht, daß alle, welche bis jetzt Chinesen zu Arbeitern genommen haben, auch ferner solche nehmen werden. In Guyana hofft man 1500 des Jahres einzuführen; in Trinidad wollte man noch im Laufe des vorigen Jahres 300 weitere einführen, zur Hälfte Weiber. Die allenthalben steigende Schiffsfracht erschwert jedoch dieses; ob man Weiber erhalten wird, ist noch ungewiß, doch hofft man die Sache zu Stande zu bringen und dann eine dauernde Ansiedlung herbeizuführen, da das ewige Hin- und Hertransportiren allzu viele Kosten macht.   

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