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Das Aurignacien

Das Aurignacien oder Jungpaläolithikum begann vor circa 40.000 Jahren und dauerte 10.000 bis 15.000 Jahre. Es war eine Epoche des Schaffens und der Kunst. Die Entstehung zahlreicher figürlicher Abbildungen wie der Venus von Willendorf fallen in diese Zeit. Man muss sich Europa in dieser Zeit als einen Kontinent vorstellen, der ständig im Wandel begriffen war. Der Norden war sehr kalt und weite Gebiete sowieso unbewohnbar. Es lebten nur wenige Menschen in Europa, die über riesige Areale verstreut waren und so gut wie keinen Kontakt zueinander pflegten.

Die Menschen dieser Periode waren Jäger und Sammler. Kurzum Nomaden, die immer wieder weite Strecken zurücklegten. Aber sofern sie eine ertragsreiche Gegend gefunden hatten, wurden sie auch sesshaft und kehrten wahrscheinlich immer wieder an diese Stelle zurück. Hier bildeten sich Gruppen, die dann zu Stämmen heranwuchsen und wieder auseinander gingen, sodass Gene in alle Richtungen verstreut wurden und bis heute genau nachweisbar sind.

Höhlen wie diese boten steinzeitlichen Menschen Zuflucht und Schutz

Einige Menschen siedelten in Etappen aus Afrika und dem Nahen Osten nach Europa über. Die Kaltzeiten zwangen sie, auf die Iberische Halbinsel, den Balkan und Südrussland auszuweichen. Nicht auszuschließen ist, dass sie sogar wieder nach Nordafrika und in den Nahen Osten zurückwanderten, und als die kalten Phasen vorüber waren, sie wieder nach Europa kamen. Sie waren die letzten Menschen, die Kontakt mit dem Neandertaler hatten, der um diese Zeit noch in Europa, Teilen Vorderasiens und Nordafrika vorkam. Vermutlich führte dies im Laufe vieler tausender Jahre zur Assimilierung der beiden Menschenarten.

Der moderne Mensch, Homo sapiens sapiens, der im Aurignacien Europa eroberte, verfügte über bessere Grundlagen zum Überleben und setzte sich durch. Er ernährte sich von der Jagd auf Rentiere, Schneehasen, Eisfüchsen. Gar Mammuts wurden mit Hilfe von ersten Speeren aus den vorkommenden Materialien erlegt, wie etwa Feuerstein. Die weitere Bearbeitung, Zerlegung oder Enthäutung ging mit Faustkeilen, Messern, Klingen und anderen Werkzeugen vor sich, die wir heute als Artefakte bezeichnen. Zur Ernährungssicherung dienten auch Beeren und Grünpflanzen.

Das Aurignacien war über weite Teile West-, Mittel- und Südeuropas verbreitet. Die Venus von Willendorf scheint hierbei eine Rolle zu spielen als Bindeglied zwischen den Kulturen Mittel- und Osteuropas: Sie hat die Weiblichkeitsmerkmale gemeinsam mit osteuropäischen Funden wie der Venus von Kostienki (Ukraine) und der Venus von Dolni Vestonice (Mähren). Sie verfügen ebenso über einen imposanten Bauchumfang und Brüste.

Andererseits kennt man aus Westeuropa die Venus von Lespugue (Frankreich), deren Aufbau der Venus von Willendorf noch mehr ähnelt. Bei der Venus von Lespugue ist lediglich der Oberkörper (ohne Brust) etwas schlanker. Der Kopf wirkt winzig im Vergleich zu Brust und Bauch und die Beine scheinen miteinander verschmolzen zu sein. Die Merkmale eines Fruchtbarkeitssymboles sind jedoch gegeben.

Steinzeitwerkzeug

Das spricht für eine höhere, und wahrscheinlich deutlich verbreiterte Kultur des Aurignaciens. Wie diese Ähnlichkeiten letztendlich zustande kamen, darüber lassen sich nur Mutmaßungen anstellen. Bevölkerungsgruppen, die in dieser Epoche vorhanden waren, sind heute in der Genetik als Haplogruppen zusammengefasst. Sie werden mit Buchstaben klassifiziert. Diese spalteten sich langsam auf und bildeten Untergruppen.

Je mehr Völkerschaften sich im Laufe der Jahrtausende aus einem gemeinsamen Ursprung entwickelten, umso mehr Wissen wurde weitergegeben und desto reger wurde der Austausch. Stets erhöhte sich auf diese Weise der Stand der eigenen Kultur.

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