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Der Hobbit-Mensch

Im Jahre 2003 wurde auf der indonesischen Insel Flores bei Ausgrabungen ein ungewöhnlicher Fund gemacht. Es handelte sich um ein etwa 1 Meter großes Skelett, das zwar Merkmale eines Menschen aufwies, aber vom Aussehen her auch an einen Affen erinnerte. Niemals wurde je zuvor Vergleichbares entdeckt, und deswegen konnte auch niemand das Skelett zuordnen. In Anlehnung an die in J. R. R. Tolkiens Romanen vorkommenden Fantasywesen wurde dieser Fund „Hobbit“ genannt (Romane „Der kleine Hobbit“ oder „Der Herr der Ringe“), was soviel wie „Halbling“ bedeutet.

In der Tat betrug die Körpergröße dieses Wesens in aufgerichtetem Zustand etwa die Hälfte eines heute lebenden, sehr großen Menschen. Zunächst ging man davon aus, dass es sich um einen Frühmenschen handeln könnte, aber eine Altersdatierung umgebender Schichten ergab die bis heute vorherrschende Meinung, dass der Hobbit vor circa 18.000 Jahren lebte. Nach dem Fundort wurde die neue Gattung homo floresiensis benannt. Zudem machte man sich nun Gedanken, wie diese offensichtlich primitive Art so lange überleben konnte und wo die Schnittstellen mit dem modernen Menschen liegen.

Im Laufe der Forschungen wurde ermittelt, dass homo floresiensis sich im Pleistozän von vor 100.000 Jahren bis etwa vor 13.000 Jahren in dieser Region aufhielt. Man fand Reste von weiteren Skeletten, verkohlte Knochen von Tieren und Werkzeuge, die der Hobbit wahrscheinlich selbst herstellte. Es gibt zudem Hinweise auf Feuerstellen.

Allerdings ist bisher keine Radiokohlenstoffdatierung möglich, da die Knochen nicht die nötige Beschaffenheit aufwiesen. In jedem Fall wäre der Hobbit aber ein besonderer Fund, denn er stellt ein Wesen dar, das bisher so nicht bekannt ist. Sollte sich in Folge zukünftiger, verlässlicher Untersuchungen nachweisen lassen, dass die Knochen das geschätzte Alter haben, hätte der Hobbit rund 20.000 Jahre zeitgleich mit dem heute in Indonesien vorkommenden Menschen gelebt. Obwohl er kein hoch entwickeltes Gehirn hatte, war er aufgrund seines erweiterten Schläfenlappens fähig, anspruchsvolle Gedankengänge durchzuführen und möglicherweise auch, mit einem Boot über das Meer zu fahren. Demzufolge musste der Hobbit in die Gattung Mensch eingeordnet werden, denn ein Affe kann zwar einfache Werkzeuge herstellen, wäre aber nicht zu großen Denkleistungen imstande.

Kurz und gut, der Hobbit lebte in einer Periode, in der sich in Europa die Würmeiszeit ausbreitete und dann gegen Ende wieder zurückzog. In Europa lebte zu dieser Zeit noch der Neandertaler in den südlichen Randgebieten, dort wo es keine Gletscher gab, und vor 60.000 Jahren fing der moderne Mensch homo sapiens an, sich von Afrika auszubreiten. In mehreren Etappen folgten Wanderphasen, große Gruppen teilten sich in kleinere Stämme und drifteten in immer neue Richtungen. Die Art des homo floresiensis starb aus, als es in Europa und damit mit Sicherheit auf der ganzen Welt wieder wärmer wurde.

Aber war das der Grund für sein Aussterben? Machten feindliche Invasoren dem Hobbit das Leben schwer ? Die Insel Flores, die natürliche Heimat des Hobbit, ist eine der Kleinen Sunda-Inseln und liegt im südlichen Indonesien. Mit einer Fläche von 15.175 Quadratkilometern ist sie nicht ganz so groß wie Thüringen und hat heute nur 1 Million Einwohner. Warum nun war der Hobbit nur um die 1 Meter groß? Handelte es sich vielleicht nur um einen einzigen Menschen, der unter einer Fehlbildung litt ? Durch die Vergleichsfunde im Umfeld nimmt man an, dass die gesamte Art nur diese Größe erreichte.

Aus Untersuchungen an Tieren weiß man, dass sich Arten zurückbilden, wenn sie lange genug auf begrenztem Raum leben. Die Insellage könnte also den Zwergwuchs durchaus erklären. Der Hobbit könnte am Beginn seiner Existenz normal groß gewesen sein und sich durch die Umstände in seinem Lebensraum zurückentwickelt haben. Sein Gehirn wäre natürlich mit geschrumpft, hätte sich aber in vielen zehntausend Jahren durchaus eigenständig entwickelt und ermöglichte eine komplexere Verhaltensweise. Die Insellage würde auch erklären, dass sich der Hobbit so lange von anderen Menschen entfernt halten konnte. Die Inseln Indonesiens liegen weit verstreut und ohne moderne Verkehrsmittel unerreichbar voneinander entfernt. Zur Lebzeit des gefundenen Hobbit war natürlich auch Australien schon längst besiedelt.

Im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen verglich man das Gehirn sowie andere Körpermerkmale wie zum Beispiel die Fußknochen mit weiteren vorhandenen und nicht mehr existenten Menschenarten. Die stärksten Ähnlichkeiten ergaben sich beim homo erectus, einem Frühmenschen, der vor etwa 1,8 Millionen bis 1,5 Millionen Jahren in Afrika lebte. Weil dazwischen keine weiteren Gemeinsamkeiten gefunden wurden, muss sich die Art des homo floresiensis also schon vorher abgespalten haben. Damit muss er kein relativ enger Verwandter des Menschen sein. Niemand weiß heute, wann die Trennung erfolgte, wie lange die Wanderung dauerte und seit wann der Hobbit genau in Flores lebte.

Bisher nahm man an, dass sich der moderne Mensch vor 30.000 Jahren endgültig gegen den Neandertaler durchsetzen konnte und seitdem die einzige Menschenart auf der Erde darstellt. Doch seit dem Fund des Hobbit ist diese Theorie ins Wanken geraten. Die jüngsten Funde, die sich auf ihn zurückführen lassen, sind circa 13.000 Jahre alt. Das ergab sich aus den Schichtuntersuchungen rund um den Fundort. Noch weiß die Wissenschaft zu wenig, und kann nur weitergraben und forschen. Vielleicht haben die Hobbits auch noch länger existiert. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass in irgendeiner meterdicken Erd- und Gesteinsschicht eine weitere unbekannte Menschenart darauf wartet, irgendwann entdeckt zu werden.

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