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Der moderne Mensch in Europa

In Europa gab es im Wechsel Kalt- und Warmzeiten, die Durchschnittstemperatur lag jedoch geringer als heute und große Gletscher bedeckten den Norden. Der mächtigste Gletscher Mitteleuropas war der Rhonegletscher. Er füllte das gesamte Rhonetal mit bis zu 2000 Metern Dicke und verschmolz mit den Gletschern aus den Berner und Walliser Alpen zu einer Eismasse. Hier war kein Leben möglich. Den Rhonegletscher gibt es noch heute, er zieht sich aber langsam zurück, bis er etwa 2100 ganz verschwunden sein wird.

Die Zunge des Rhonegletschers

So wurde zuallererst der Süden Europas besiedelt, wo die klimatischen Bedingungen angenehm waren. Dort traf der moderne Mensch auf den Neandertaler. Dieser bewohnte Europa schon lange zuvor. Die ältesten gemachten Funde stammen aus Kroatien und sind 130.000 Jahre alt. Zudem kam er in Vorderasien, im Nahen Osten und in Nordafrika vor. Es ist anzunehmen, dass er sogar nicht mit dem modernen Menschen verwandt ist. Die Abspaltung könnte schon vom vor 500.000 Jahren lebenden homo erectus erfolgt sein. Auch er hatte einen stabilen Körperbau und starke Überaugenwülste. Der Neandertaler und homo sapiens lebten einige tausend Jahre nebeneinander her, vielleicht noch bis vor 24.000 Jahren.

Wie sie miteinander auskamen, ist nicht überliefert. Zusammentreffen können friedlich verlaufen sein, auch die Vermischung ist denkbar. Teile der DNA-Sequenz des Neandertalers ähneln auffallend der von heutigen Menschen. Auch wenn Neandertaler und homo sapiens noch so unterschiedlich waren und im Aussehen differenzierten, waren beides Naturvölker und der Kontakt unvermeidbar. Selbstredend wird es auch Kriege unter ihnen gegeben haben, wenn es um die Siedlungs- und Jagdgebiete ging.

Warum der Neandertaler ausstarb, weiß niemand. Vielleicht finden wir diese Art heute in Europa nicht mehr, weil sie vollständig assimiliert wurde. Die Siedlungswelle des modernen Menschen war zu groß und die Bevölkerung des Neandertalers zu gering, um ein Überleben zu sichern. Genetische Anteile können im heutigen Menschen aufgegangen sein und sind kaum noch nachweisbar. Obwohl Ähnlichkeiten vorliegen, sind einige Wissenschaftler noch unsicher über die Ursache einer genetischen Verwandtschaft mit dem Neandertaler. Nur mehr Forschung wird Klarheit bringen.

Das Land in Europa war groß und hatte ein angenehmes Klima. Besonders mit dem Ende der Eiszeit und dem Abtauen der großen Gletscher vor 12.000 Jahren können wir feststellen, dass sich die Bevölkerung in Europa erhöht und moderne kulturelle als auch technische Entwicklungen ihren Anfang nehmen. Zur Abgrenzung wurden die jüngeren Haplogruppen G bis R geschaffen, die aus der 50.000 Jahre alten Haplogruppe F hervorgingen. Auch Untergruppen entwickelten sich zahlreich auseinander. Zwar war es unvermeidlich, dass Gruppen, die sich unabhängig entwickelten, auch wieder vermischten. Doch kann man in Europa feststellen, dass die Bevölkerung durchwegs recht viele genetische Gemeinsamkeiten hat im Vergleich mit anderen Kontinenten.

Germanische Keramik, circa 5000 v. Chr.

Und bis heute ist die genaue Abstammung bei jedem Menschen differenzierbar. Wissenschaftler ermitteln bei Frauen die mitochondriale DNA, weil ihnen das Y-Chromosom fehlt. Bei Männern, für die das Y-Chromosom typisch ist, kann zudem die mitochondriale DNA untersucht werden, weil genetisch beides vorhanden ist. So lassen sich in der jeweiligen Linie die Haplogruppe, die Untergruppe und der Marker herausfinden. Genaue Erkenntnisse über die Vergangenheit eines jeden Menschen werden so möglich. Neue Verfahren gehen noch weiter. Es lässt sich zudem die moderne Abstammung feststellen, ob man nun keltisch, germanisch oder slawisch ist. Selbst die Wandalen oder Wikinger konnten als germanischer Teilstamm identifiziert und mit modernen heute lebenden Personen verglichen werden.

Zukünftige Untersuchungen werden noch mehr Fortschritte mit sich bringen und Resultate zur prozentualen Herkunft einer Testperson liefern. So kann man sagen, wie viel mediterrane, iberische, nordeuropäische, osteuropäische, kaukasische oder gar nahöstliche, ostasiatische und afrikanische Anteile man in sich trägt. Denn eines ist auch ohne Untersuchung klar: Die gesamte Menschheit ist das Ergebnis vieler Wanderungen, die es im Laufe der Jahrtausende immer wieder gab und jeden von uns unverwechselbar machten.

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