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Erste Dampfschifffahrt auf dem Amazonasstrom

Unveränderter Originaltext aus der Zeitschrift:

Das Ausland.
Eine Wochenschrift für Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker.
Nr. 7, 17. Februar 1854, S. 167

(Nouv. Ann. Des Voyages November – December)

Autor: N.N.


Durch die französische Brick Eclipse hat man Nachrichten aus Para vom 14 November erhalten. Die Journale und Briefe, die sie mitbrachte, enthalten sehr interessante Einzelnheiten über eine Fahrt des Dampfers Marajo auf dem Amazonenstrom von seiner Mündung bis Nauta in Peru. Der Dampfer Marajo fuhr von Para am 10 September ab, und kam am 20sten an die Mündung des Rio Negro. Zwei Tage später fuhr er nach Nauta ab, und nahm das Postfelleisen für alle Zwischenstationen mit sich. Er hatte nur Einen Reisenden an Bord, den Grafen Florestan, Commissär der brasilianischen Regierung, und seine ganze Ladung bestand in 5000 Last (faix) Holz und 40 Tonnen Kohlen. Der Dampfer legte nacheinander zu Coary, Ega, Fonte Boa, Tonantin, Amatura, San Paulo und Tabatinga, dem äußersten brasilianischen Gränzort, an, wohin er am 8 October gelangte. In Peru besuchte er Loreto, das von der peruanischen Regierung zum Freihafen erklärt ist, Cochequina, Pebas, Pucalpa, Iquito und endlich Nauta, wohin er am 14ten desselben Monats gelangte.
Nauta auf dem rechten Ufer des Amazonenstroms, nur einige Meilen von der Mündung des Ucayali ist durch seine Lage zu einem großen Handelsemporium bestimmt. Es wurde, ebenso wie Loreto auf dem linken Ufer, zum Freihafen erklärt.
Allenthalben hat der Dampfer Holz mitgenommen; man schätzt dessen Menge auf 42,600 Achas (ungefähr 890,000 Kilogr.) von den besten Arten, wie Paracauba, Pao Mulato, Masaranduba und einigen andern geringeren.
Die Ankunft des Marajo hat an allen den bezeichneten Orten ein großes Erstaunen verursacht, an einigen einen unbeschreiblichen Schrecken. Indeß sind da und dort viele Uferbewohner an Bord gekommen, umsomehr als die Fahrt des Dampfboots gerade in die Zeit fiel, wo alle benachbarten Völker an den Ufern des Amazonenstroms sich sammeln, um die Schildkrötenbutter zu bereiten. Zu Fonte Boa flüchteten die Frauen mit den Kindern in die Wälder, und betrachteten von da nur mit stummen Erstaunen die Bewegungen der außerordentlichen Maschine, die sie sich nicht erklären konnten. Der Befehlshaber des Dampfboots, der sich die Ursache ihrer Furcht leicht erklärte, schickte Landeseingeborne an sie, um ihnen zu sagen, daß sie ohne Besorgniß aufs Schiff kommen könnten; sie weigerten sich fortwährend und erwiderten, wenn sie hingingen, würde das höllische Ungeheuer ihre Kinder verschlingen. Dagegen wurde zu Loreto der Dampfer unter dem Geläute aller Glocken empfangen; der Gefe Politico, Don Francisco Ortiz, überhäufte die neuen Argonauten mit Beweisen seiner Achtung und seines Wohlwollens, und wußte nicht, wie er seine Freude genug ausdrücken sollte. Er schiffte sich auf dem Fahrzeug ein, um sich auf demselben, begleitet von seinem Secretär und seinem Adjutanten, nach Nauta zu begeben. Zu Loreto war man sehr beschäftigt mit zwei peruanischen Dampfschiffen, die zur Erforschung der Flüsse Ucayali und Guayaga bestimmt waren. Diese beiden Fahrzeuge, zu denen die Maschinen durch den Dreimaster Star of East aus den Vereinigten Staaten gebracht worden waren, werden gegenwärtig im Arsenal der Provinz gebaut.
Der Gouverneur von Loreto, Don Manuel Ygarra, und ein deutscher Kaufmann, Hr. Shut (Schütz?), der zu Callao sich niedergelassen hat, haben mit der peruanischen Regierung über die Einführung von 13,000 Colonisten im Laufe von drei Jahren unterhandelt. Einige derselben sind schon angekommen und verrichten den Dienst als Garnison, deren Stärke alsbald auf 2000 Mann gebracht werden soll; 130 Deutsche wurden nach Caballo Coro geschickt. Zu Ega und Tabatinga hat man schon Steinkohlen gefunden, zu Loreto, Pebas und Iquito sind bedeutende Lagerungen nachgewiesen. Zu Pebas wurde die Mine nur einige Schritte von dem Hause des Gouverneurs eröffnet, zu Iquito lag sie am Ufer des Flusses selbst. Die Proben, welche man nach Para brachte, lassen glauben, daß diese Kohle mindestens den besten Kohlen von Newcastle gleichkomme. Der peruanische Gouverneur, Don Fr. Ortiz, und der Agent der Compagnie sind miteinander übereingekommen, daß die Landungsplätze der Dampfboote die beiden Freihäfen von Loreto und Nauta seyn, und daß die Kohlenniederlagen auf dem peruanischen Gebiet angelegt werden sollen – an den beiden Orten, wo die Kohle am leichtesten zu gewinnen ist, nämlich zu Pebas und Iquito.
Alle von diesem Dampfboote besuchten Orte sind bis jetzt noch bloße Indianerdörfer, aber an ihrer künftigen Handelsbedeutung ist nicht zu zweifeln, denn der liberale Charakter der Regierung und der Gesetzgebung von Peru sichert den Fremden eine Freiheit, die sie nicht überall finden. Ein Journal von Para sagt sogar, daß bei der Rückkehr des Marajo die brasilianische Eigenliebe eben keinen Triumph feierte, da die Berichte der Reisenden einen starken Unterschied machten zwischen dem Glück und der Wohlbegabenheit der peruanischen Bevölkerung und der Verödung, die an den Ufern des Galimoes herrscht, dem Thal des Amazonenstroms zwischen der Einmündung des Rio Negro und der brasilianischen Gränze zu Tabatinga. Man schildert die brasilianischen Ufer als verödet, die Dörfer sind verlassen. In einem derselben, San Paulo, fand man nur einen Greis von 87 Jahren, den man allein zurückgelassen hatte, während seine Familie einen Zug ins Innere unternommen. In einem andern, Amatura, sah man keine lebende Seele. Einige Heerden von hohen, langen und hagern Schweinen zeugten allein dafür, daß hier Menschen gewohnt hatten, aber für immer fortgezogen seyen, oder das ansässige mit dem Nomadenleben verwechselt hätten.
Es gab eine Zeit, wo diese Gegenden blühend waren, wo eben dieß Kirchspiel Amatura zahlreiche Gläubige in seiner Kirche sich versammeln sah; es waren die ersten Schimmer einer Civilisation, der es an Aufschwung und Lebenskraft fehlte, weil die Meeresherrschaft ebenso wenig bei der portugiesischen als bei der spanischen Marine blieb. Mit dem Sinken der portugiesischen Seemacht treten unmerklich im Herzen dieser fruchtbaren Länder Verödung und Tod an die Stelle freudigen Lebens; alles was nicht unter einer entfernten, unfruchtbaren Verwaltung erstickte, floh in die Wälder und kehrte zum Nomadenleben zurück. So ist es auf einer Strecke von nahe an 500 Leguas. Aber der Dampf ist der elektrische Funke, welcher bestimmt ist, allen diesen Leichen das Leben wieder zu geben. Die ungeheuren Einöden des mittlern Südamerika werden jetzt auf allen Seiten von der europäischen Civilisation angegriffen, allenthalben ist dasselbe durch ungeheure Flußläufe geöffnet, und der Dampf dringt heran, um diese zu befahren. Auf den Flügeln des Dampfes werden die Myriaden von Menschen kommen, denen es in der alten Welt zu eng wird, während die neue noch eine Wüste ist; mit dem Dampf kommen die Arme und die Arbeit, die den Boden befruchten, und der Handel, der den Werth seiner Erzeugnisse verhundertfacht.

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