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Nachrichten aus Cayenne

Unveränderter Originaltext aus der Zeitschrift:

Das Ausland.
Eine Wochenschrift für Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker.
Nr. 2, 13. Januar 1854, S. 39

Autor: H. Y. P. Lugarre

Nachforschung (exploration) welche auf Befehl der höhern Colonialverwaltung H. Y. P. Lugarre, Einwohner von Cayenne, zum Behufe genauerer Kunde über die Bodenerzeugnisse, zumal des Kautschuk, vom 24 September 1852 bis 26 Januar 1853 im Theile unter dem Winde des französischen Guyana gemacht hat.


Erster Ausflug auf dem Maroni-Flusse

Am 24 September 1852 fuhr ich rasch mit fünf Tapuyes (Kautschuk-Arbeitern) (Tapuyes heißt man die Eingebornen oder Indier, welche im nördlichen Para, nahe an dem Flusse der Amazonen und Oyapock, wohnen) auf meinem Boote ab; am 2 October darauf fuhr ich in den Mana-Fluß ein. Bei eintretender Ebbe kehrte ich ins Meer zurück, um 8 Uhr Abends ankerte ich an der Mündung des Maroni, dem Dorfe der Indier gegenüber, auf demselben Punkte, wo ehemals ein französischer Posten sich befunden.
Am 3ten setzte ich meine Reise bis zur zweiten holländischen Niederlassung (Etablissement) fort. Um 4 Uhr Abends als ich vor Anker lag, erhielt ich den Besuch des Hrn. Montecattini, Grundbesitzers in dieser Niederlassung, wo ich auf seine Einladung ans Land stieg. Ich fand bei ihm die herzlichste Gastfreundschaft, nützliche Aufschlüsse und zwei Kähne, die ganz besonders geeignet für meine Fahrten (recherches) waren. Hr. Montecattini, von Geburt ein Franzose, aber als Holländer nationalisirt, lebt seit fünf Jahren auf dem linken Ufer des Maroni, und treibt mit den Bosch-Negern Handel mit Zimmer- und Schreinerholz; der größte Theil dieses Holzes wird unter den Sauts (Sauts nennt man jene Wasserfälle, welche durch Felsenbarrikaden im Flusse entstehen) ausgebeutet, von wo aus die Versendung leicht ist.
Nachdem wir zwei Tage zur Reparatur unserer Fahrzeuge verwendet, begann ich meine Nachforschungen auf dem rechten Ufer, von der Mündung bis zum zweiten Saut, oberhalb des holländischen Postens Armina.
In den niedrigen Gegenden (terres basses), zwischen der Bucht (crique) Lamantine und den hochgelegenen Gegenden (terres hautes) fand ich Kautschuk-Bäume, nicht familienweise, doch in hinreichend großer Anzahl, um einer Industrie zu genügen. Copahu-Bäume findet man in den hochgelegenen Gegenden, und unter dem zweiten Saut, auf bergigen Inseln, findet man sie familienweise. Diese Bäume sind minder zahlreich in den Buchten, welche gegen die Mana hin sich erstrecken. Ihre Ufer sind mit Zimmer- und Schreinerholz bedeckt, als Wacapu, Balata, St. Martin, Ceder, Angelique, Acajou, Grignon, Tarub (Stauba), ein Schiffsbauholz erster Qualität zur Schiffsbekleidung vorzüglich geeignet.
Als ich der Bucht (crique), welche oberhalb dem Plateau Napoleon Bonaparte der Niederlassung des Hrn. Montecattini gegenüber sich befindet, hinauffuhr, bemerkte ich mehrere Carbets (hölzerne Hütten, mit breiten Brettern bedeckt, deren Dächer bei weitem die Steine überragen, die sie unterstützen, um die Bewohner gegen Regen und Sonne zu schützen) der Bosch-Neger und Wege, um das Holz fortzuziehen (pour le hallage des bois). Ich fuhr diese Bucht so weit als möglich hinauf, und ohne die Hindernisse die sie auf einer gewissen Höhe unschiffbar machen, würde ich sie bis an ihre Quelle verfolgt haben, von wo aus ich in die Mana gelangt wäre.
Auf den kleinen Bergen findet man den Tuca-Baum (Castanheiro Sapucaio), Canari-Macaque, dessen Frucht sehr ölig und von besserem Geschmack  ist als derjenige welcher aus Para kommt, allein die Einsammlung derselben bietet manche Schwierigkeiten.
Ich durchzog das ganze holländische Ufer, das mit Ausnahme der Buchten so fruchtbar als das französische ist. Ich schlief vorher Nachts bei Bosch-Negern, die mich sehr gut aufgenommen haben. Als ich jedoch bemerkte daß meine Gegenwart ihnen Besorgnisse einflößte, that ich mein möglichstes um sie zu beruhigen, indem ich ihnen begreiflich machte, daß die Franzosen nie etwas Böses gegen sie im Schilde getragen und überdieß keine Sklaven mehr haben. Diese Neuigkeit und die kleinen Geschenke, welche ich unter sie vertheilte, machten sie zutraulich, am Ende fast lästig.
Ich ließ an verschiedenen Orten 50 Copahu-Bäume einschneiden ohne irgend einen Erfolg; ein einziger jedoch gab eine Flasche Balsam. Ich fragte meine Leute nach der Ursache der Erfolglosigkeit; sie antworteten mir, die Jahreszeit sey nicht günstig, man müßte in den Monaten März, April, Mai und Junius operiren.
Der Fluß Maroni ist dem Amazonen-Flusse so ähnlich, daß meine Tapuyes ihn „die Tochter der Amazone“ nannten. Die Durchsichtigkeit des Wassers, die Reinheit der Luft die man einathmet, laden den Reisenden ein hier auszuruhen, und er verläßt diese Ufer nur ungerne.
Es wäre zu wünschen daß die Mana-Niederlassung (l`établissement de la Mana) an den Maroni verlegt würde, in jeder Beziehung der schönste und reichste aller Flüsse des französischen Guyana; alles gedeiht dort nach dem was ich gesehen und gehört habe von Hrn. Montecattini, ehemaligem Pflanzer von Surinam, vortrefflich.
In den beiden holländischen Niederlassungen arbeiten Europäer in der Sonnenhitze, ohne deßwegen zu erkranken.
Ich habe bemerkt daß der Boden an der Quelle fruchtbarer als an der Mündung des Flusses ist; man athmet dort ein unbeschreibliches Wohlbehagen ein, welches die Abwesenheit der Insecten, deren Stiche man nicht zu fürchten hat, noch vermehrt.
Das herrliche Land welches dieser Fluß bespült, sollte von europäischen Armen ausgebeutet werden, denn es ist berufen einst eine große Rolle zu spielen.
Nach meinem Umzug ließ ich am 9 November ein Gehähe (sentier) öffnen, welches vermuthich 30 Kautschuk-Bäume einschloß, die nahe genug an einander standen, um eine Probe davon zu machen. Nachdem ich Einschnitte gemacht und die Milch (Saft) vorbereitet hatte, in der auf der Amazonen-Insel üblichen Weise, gelangte ich zur Gewißheit, daß ein Mann täglich 50-60 Bäume einschneiden und sechs bis sieben Paar Schuhe, d. i. 3 Kilogr. Gummi elasticum erlangen kann.
Am 9 November wollten meine Arbeiter, begierig in größerer Anzahl diese Bäume zu finden, den Maroni bis zu seiner Quelle hinauffahren und in die Flüsse eindringen, welche mit dem Amazonenstrom in Verbindung stehen. Zu diesem Zweck begaben wir uns nach der Mana-Niederlassung, um uns mit Lebensmitteln zu versehen, und den 12ten fuhren wir wieder in den Maroni ein.

Zweiter Ausflug in den Maroni, in Gesellschaft des Hrn. Montecattini, der mir als Dolmetscher gedient hat.

Am 17ten schlugen wir unsern Weg nach dem obern Maroni ein, wo die Boschs (Neger) wohnen. Mein Reisegefährte schiffte sich in seiner Barke (Canot) mit sechs Indianern des Flusses ein, und ich in dem meinigen mit meinen Tapuyes. Vom Beginn unserer Fahrt wetteiferte unsere Mannschaft in der Geschwindigkeit, und meine Leute, wiewohl geringer an Zahl, trugen den Sieg davon. Wir übernachteten beim Indianer Cornelis; ich fand hier zwei indische Familien von Sinnamary, die mir sagten, daß die Kautschuk-Bäume, welche sie unter dem Namen Taba-Taba kennen, an ihrem Flusse in größerer Anzahl sich befinden als am Maroni, und einen großen Durchmesser haben.
Am 16ten setzten wir unsere Reise um 6 Uhr Morgens fort, und Abends übernachteten wir auf der kleinen Insel Cassaves de Patata Douces (süßer Patatakuchen).
Am 17ten gegen 8 Uhr Morgens kamen wir, nachdem wir den ersten Saut überschritten hatten, an dem holländischen Posten Armina an, wo wir anhielten um ihn zu durchziehen.
Derselbe ist seit ungefähr 15 Jahren verlassen. Man bemerkt noch einige Häusertrümmer, Citronenhecken und einige Brodbäume; er liegt hoch und angenehm. Um 2 Uhr Nachmittag setzten wir unsere Reise fort, und begegneten mehreren Fischottern, welche den Fluß durchschnitten. Unsere Leute machten vergebens Jagd auf sie. Meine Mannschaft verfolgte eine, und als sie in ihre Nähe kam, stürzt sich einer davon, Namens Antonio José, ins Wasser, tauchte hinter dem Thiere unter, und erschien einen Augenblick darauf seine Beute beim Schweife emporhaltend. Am 6ten karbetirten (Karbetiren (carbeter) ist ein creolischer Ausdruck und heißt so viel als unter einer aus Zweigen und Blättern aufgeführten Hütte Obdach nehmen) wir für die Nacht.
Am 18ten brachten wir den Tag auf diesem Punkte zu um Untersuchungen anzustellen. Wir fanden Copahu-Bäume, Zimmerholz erster Qualität und Farbenholz für Schreinerarbeiten in großer Menge. Wir machten, aber ohne Erfolg, Einschnitte in einigen Copahus.
Am 19ten um 6 Uhr Morgens fuhren wir weiter, um zehn Uhr fanden wir den zweiten Saut, der nicht sehr hoch ist; der Fluß ist überall schön, breit und mit Inseln bedeckt. An beiden Ufern ziehen sich ungeheure und dichte Wälder dahin. Um vier Uhr machten wir auf einer großen Insel Halt, wo wir mehrere Negerhütten fanden. Wir durchstreiften die Insel, die voller Copahu-Bäume ist, aber unsere häufigen Einschnitte blieben alle ohne Ergebniß – ein Beweis, daß die Jahreszeit ungünstig war. Nichtsdestoweniger fühlten wir auf der ganzen Insel den Geruch des Copahu, welcher aus den Spalten der Bäume herausdringt.
Am 20sten mit Anbruch des Tages, im Augenblick als wir unsere Reise fortsetzen wollten, bemerkten wir einen Kahn den Fluß hinabfahren, welcher eine Lanze am Schiffsvordertheil hatte; wir riefen ihm zu, und als er unserem Ufer nahe war, erkannten wir den Grand-Mann (Großen Mann), Häuptling der Bosch-Neger. Als er landete, gingen wir ihm entgegen, er grüßte uns sehr gnädig, indem er uns die Hand reichte. Eh` er ans Land stieg, zog er einen Kanonierüberrock  (capote de canonier) mit Aufschlägen am Kragen und Aermeln an, denn vor seiner Landung hat ihn nichts von den übrigen vier Negern, die gleich ihm in Kolimbe (Kolimbe ist eine Art Schürze oder kleine Unterhose) waren, ausgezeichnet. Wenn er jedoch nach Surinam geht, legt er sein Ordonnanzcostüm an, und der Statthalter empfängt ihn als den wirklichen Präsidenten der Bosch-Republik, die Holland allein anerkannt hat. Er ist ein Mann von schönem Wuchs, 65 bis 70 Jahre alt, der weder schreiben noch lesen kann, aber in seinen Unterhaltungen viel Verstand zeigt.
Wir brachten den Tag sehr angenehm mit ihm zu, und unterhielten ihn so gut wir konnten. Zum Glück hatte ich noch etwas Wein und Liqueur, wovon ich ihm anbot. Er trank mehrmal auf meine Gesundheit und auf die des guten Pastors von La Mana. Ich verlangte durch meinen Dolmetscher allerlei Aufschlüsse über sein Land und dessen Producte; er antwortete mir ohne Zaudern und in einer mich sehr befriedigenden Weise; ich sprach ihm von Kautschuk, dessen Samen ich ihm zeigte. Er kannte ihn, ohne genau angeben zu können, wo er ihn gesehen hatte, allein er versprach mir ihn aufsuchen zu lassen.
Was die wahren Tucas (Tuca ist eine Art sehr schmackhafter Mandeln, die in England besonders sehr geschätzt werden; die Engländer beziehen sie aus Para, wo ihre Schiffe zweimal im Jahre welche laden) betrifft, womit in Para starker Handel getrieben wird, findet man deren in den Bergen des Maroni, und bei den indischen Völkerschaften findet man diese Bäume sogar gruppenweise.
Wir zeigtem dem Häuptling Steinchen die wir aus dem Flusse aufgelesen, er lachte und fügte hinzu, er habe bei sich zu Hause Steinchen der Art, die überdieß so rein wie das Wasser des Flusses seyen, und versprach bei seiner nächsten Reise Hrn. Montecattini welche mitzubringen.
Ich sprach ihm von der Emancipation unserer Neger, die ihm unbekannt zu seyn schien, von unsern Sitten und Gebräuchen, von den Vortheilen, welche für ihn und die Seinigen durch Anknüpfung von Geschäften mit dem Maroni so nahe gelegenen La Mana erwachsen würden.
Er sagte mir: „ich werde mit Vergnügen nach La Mana kommen, um den guten Pastor zu sehen und ihm für die Beweise des Wohlwollens zu danken, womit er mich beehrt, seitdem ich ihn kenne.“
Aus seiner Antwort und der Weise in der er sich ausdrückte, ersah ich, daß Hr. Puech, Pfarrer von Mana, sein Vertrauen gewonnen, und dieser ihn bewegen könnte dem Lande vortheilhafte Bedingungen anzunehmen.
Aus der langen Unterhaltung die wir mit einander hatten, ward mir klar wie das Mißtrauen, welches die Franzosen ihm einflößen, von der Angelegenheit von Oyapock, die ihm bekannt ist, und von einigen Personen welche eine Concurrenz, die sie übrigens nicht aushalten könnten, zu entfernen Interesse haben, herrühren.
Ich sagte ihm: die Bonnis-Neger seyen in den Wohnsitzen von Oyapock bewaffnet und in feindlicher Weise erschienen, daher man sie mit Gewalt zurücktreiben mußte, darüber können sie sich nicht beklagen, und wir hätten nach dem Völkerrecht gehandelt. Was jedoch die Besorgnisse betrifft, die man über die Franzosen einflößt, so sey kein Grund dafür da, weil sie keine Sklaven mehr haben, noch irgend jemanden unterdrücken wollen. Diese Aufklärung befriedigte ihn so sehr, daß er nochmals meine Gesundheit ausbrachte. Man hatte ihm eingeredet die französischen Kugeln erreichen selbst Berge, durchbohrten ihr Ziel, und es gäbe kein Bollwerk gegen sie.
Ich habe zu erwähnen vergessen daß Hr. Kappeler, holländischer Agent, beauftragt den Bosch-Negern Erlaubnißscheine auszustellen, wenn sie nach Sarmonne gehen, zugleich Holzhandel treibt.
Nachdem wir am 21sten vom Grand-Mann Abschied genommen und ihn vermocht hatten einige kleine Geschenke von uns anzunehmen, setzten wir unsere Reise fort; am Abend karbetirten wir auf einer anderen Insel, um die Nacht daselbst zuzubringen. Am 23sten verlassen wir dieselbe, nachdem wir längs des Flusses bis zur Rothsand-Insel, wo wir mehrere Karbets (Negerhütten) gefunden, unsere Forschungen fortgesetzt hatten. Diese Insel ist so schön gelegen, daß die Boschs sie zu ihrem Ruhepunkt (relache) gewählt haben, und hier ihre Lebensmittel aufnehmen, sey es wenn sie den Fluß auf-, sey es wenn sie ihn abwärts fahren. Es geschieht selten, daß man nicht daselbst jemanden träfe; die südliche Spitze ist eine röthliche Sandbank, von der sie den Namen führt. Man findet daselbst hübsche Steinchen, welche die Rolle von Edelsteinen (pierres fines) spielen könnten. Ich glaube daß, grübe man bis zu einer gewissen Tiefe nach, man Edelsteine fände, denn der Diamant strebt in Folge seiner specifischen Schwere nach unten.
Den 24sten brachten wir mit Nachforschungen auf der Insel und den Bergen, welche in ihrer Nähe sich befinden, zu, aber ohne Ergebniß. Am 25sten verließ mich Hr. Montecattini um nach Hause zurückzukehren, und ließ mir Hrn. Toriqui als Dolmetscher, mit dem ich meine Reise fortsetzte. Die Fahrt fing an schlecht zu werden; die Berge sind höher, die Sauts rücken näher aneinander. Um 2 Uhr kamen wir bei einer Gruppe von Inseln an, zwischen welchen wir einen Durchgang wählen mußten. Nachdem wir ohne Erfolg mehrere Passagen versucht hatten, gingen wir auf einen großen Saut los. Allein aus der Höhe und Schnelligkeit des Wassers urtheilten wir, daß es nicht derjenige seyn könne, durch welche die Boschs gewöhnlich fahren – denn sie sind zu zweien in ihren Kähnen und selten mehr; wir warteten nun bis zum Morgen und hofften glücklicher zu seyn.
Am 26sten bei Tagesanbruch begannen meine Leute von neuem einen Durchgang zu suchen, doch vergebens. Wir kehrten daher zum großen Saut zurück, und, nachdem wir unsere Effecten, die im Kahne sich befinden, ausgeladen hatten, blieben zwei Mann darin um ihn zu lenken, und die andern blieben am Ufer um ihn zu bugsiren (remorquer). Als sie aber an den Punkt, wo der Strom am reißendsten ist, ankamen und sich hinabgerissen fühlten, ließen sie plötzlich, einen Nothschrei ausstoßend, am Saut los – und in einem Augenblick war der Kahn mit den beiden Männern im Abgrund verschwunden; derjenige, welcher das Steuerruder lenkte, Antonio Calixto von Pavia, der erfahrenste auf Reisen dieser Art, klammerte sich an einem Felsen an, und kam mit einigen Ritzen (égratignures) davon; allein der, welcher am Vordertheil des Kahnes sich befand, Zepherino mit Namen, ward vom Strome fortgerissen, und erst nach einigen Augenblicken erschien er wieder auf der Oberfläche schwimmend gleich einem Fische, bald nach rechts, bald links ausbeugend, um die Klippen, die ihn umgaben, zu vermeiden. Erst als er an die Wirbel (remous) angekommen war, konnte er ohne Unfall eine Felsen-Insel gewinnen. Während dieser Zeit blieben wir alle bewegungslos in der größten Angst; sobald wir ihn aber gerettet sahen, stießen wir ein Freudengeschrei aus. Seine Cameraden warfen sich freiwillig ins Wasser um zu ihm zu gelangen. Nachdem sie eine Weile lang ausgeruht hatten, sprangen sie alle wieder ins Wasser um schwimmend den Kahn aufzusuchen, den sie erst lange nachher und in sehr schlechtem Zustande fanden. Sie besserten ihn schlecht und gerecht aus, und wir schlugen denselben Weg nochmals ein, auf dem es, mit größerer Vorsicht, dießmal durchzukommen uns gelang. Nicht weit von da, auf einer Insel lagerten wir uns, denn wir bedurften sehr der Ruhe, ein Theil unserer Lebensmittel war verloren gegangen.
Am 27sten setzten wir unsere Fahrt fort, und da unsere Lebensmittel bald alle waren, mußten wir öfter auf die Jagd ausgehen als wir gewünscht hatten. Die Fahrt wird immer beschwerlicher in Folge der geringen Tiefe des Wassers. Wir waren genöthigt nach dem Felsen zu gehen, um den Kahn zu erleichtern, welchen unsere Leute fortschoben (poussaient). Diese Reisen müssen zur Zeit des hohen Wasserstandes unternommen werden, weil alsdann die Sauts leicht zu passiren sind, und man den gefährlichsten durch Umfahrung der Inseln, die so häufig in diesem Flusse, ausweichen kann. Um 4 Uhr Abends gelangten wir an eine große Insel wo wir Carbets fanden; da es noch nicht spät war, hatten wir Zeit genug die Felsenreihe zu untersuchen, welche den Fluß durchschneidet und deren Rauschen uns einige Besorgnisse für den morgigen Tag einflößte.
Am 28sten um 6 Uhr setzten wir unsern Weg fort, und um 8 Uhr hatten wir die Sauts passirt, und zwar viel leichter als wir Tags vorher geglaubt. Nach diesen Sauts bemerkten wir die Mündung eines Flusses der von Osten kam. Wir verfolgten den Maroni, welcher in südlicher Richtung fließt. Um 9 Uhr kamen wir in einen Hafen, der auf dem rechten Ufer liegt und von welchem aus man ein Dorf sieht. Zwei Weiber (Negerinnen) die wir in der Ferne wahrgenommen hatten, waren als wir uns näherten, verschwunden, woraus wir schlossen, daß sie im Dorf uns als Feinde angekündigt haben. Wir beeilten uns daher unbewaffnet ans Land zu steigen und gingen ins Dorf, wo alle Welt versammelt und mit Säbeln bewaffnet war. Da wir an ihren Gebärden bemerkt hatten, daß unser plötzliches Erscheinen sie überrascht, noch ehe sie zu irgend einem Beschluß gekommen waren, grüßten wir sie, lachten hell auf und reichten ihnen gleich alten Freunden die Hände. Unsere Weise schien ihnen so freundlich und aufrichtig, daß sie zu uns herankamen, uns befühlten, die einen die Hand, die andern den Arm, ein Zeichen der Achtung, die sie vor den Weißen noch bewahrt haben, und ihre Säbel verschwanden wie durch einen Zauber.
Unser Dolmetscher sagte ihnen, daß wir keine Lebensmittel mehr hätten, und ihnen welche abkaufen wollten.
Der Hauptmann des Dorfes, nachdem er unsere Effecten in seine Wohnung hatte tragen lassen, wo wir wohnten, und nachdem er uns mit Lebensmitteln versehen hatte, sagte zu uns: dieses Dorf heißt Pulingudu (Empörer von 1804). Der Fluß den Ihr da unten gesehen habt, heißt Lava, an dessen Ufern wohnen die Bonnes-Neger, drei Tagreisen von der Mündung entspringt er auf der Höhe des Oyapock, und der Fluß, dem Ihr gefolgt seyd, ist der Maroni, den die Boschs, unsere Herren, bewohnen.
Bald darauf sagte er uns, er sey verpflichtet zum Hauptmann des nächsten Dorfes der Boschs (denen sie Tribut zahlen) in einer Entfernung von vier Stunden zu gehen, um ihm von unserer Anwesenheit Kenntniß zu geben, da er Tadel zu erwarten zu habe, weil er ohne Erlaubniß des Grand-Mannes in seinem Dorfe aufgenommen habe. Um Mittag ging er mit meinem Dolmetscher ab. Während ihrer Abwesenheit ward ich von den Männern und Weibern mit Fragen bestürmt, die alles wissen, alles was ich hatte, sehen und betasten wollten. Ich gestehe, hätte ich nicht die Gewohnheit mit Wilden umzugehen gehabt, ich würde mich gefürchtet haben. Nichtsdestoweniger fühlte ich mich durch die Rückkehr des Hauptmanns und meines Dolmetschers von einer großen Beklemmung befreit.
Letzterer erzählte mir, daß seine Gegenwart den Bosch-Hauptmann in Erstaunen gesetzt, daß man ihn bei seiner Ankunft in ein Zimmer gebracht, das er nur beim Zurückreisen verlassen habe; daß der Hauptmann die Aeltesten des Dorfes zur Berathung über unser Schicksal einberufen, und ein Mitglied der Versammlung sich also geäußert: „der Hauptmann des Dorfes Pulingudu ist des Verraths schuldig, weil er Fremden die Einkehr in sein Dorf gestattet hat, ohne Erlaubniß des Grand-Man. Diese Leute, setzte er hinzu, sind nur zu dem Zweck gekommen, unsere Lage auszukundschaften und unserer Gold- und Silberminen sich zu bemächtigen. Ihre Behauptungen sind Lügen, sie sind Spionen, ausgesandt uns eine Falle zu legen. Nachdem die Versammlung bald darauf auseinander gegangen war, hatte man meinen Dolmetscher in Freiheit gesetzt, und der Hauptmann des Bosch-Dorfs, nachdem er dem Hauptmann des Dorfes Pulingudu den Befehl gegeben uns morgen fortzuschicken, ist zu ihm gekommen sich bei ihm zu entschuldigen und ihm einen großen Pagura (Pagura ist ein langer viereckiger Korb, dessen Deckel über den Boden weit hinausgeht) mit Cassava (Cassava ist ein kleiner, flacher Kuchen aus Couac bereitet, der selber aus Ueberbleibseln von Maniokwurzeln, die auf einem Trockeneisen getrocknet werden, bereitet wird) zum Geschenk zu machen. Nachdem sie einige Zeit mit einander geplaudert und der Hauptmann und mein Dolmetscher Abschied genommen, hörten sie Flintenschüsse; Mißtrauen ist es was sie so mit den Fremden umzugehen veranlaßt.
Den 29sten brachten wir im Dorfe Pulingudu zu um Lebensmittel einzukaufen, damit wir den Fluß hinunter fahren könnten, da die Boschs uns weiter hinaufzugehen verboten hatten.
Wir durchstreiften das Dorf, das sehr schön auf dem Plateau liegt und eine große Strecke Waldes beherrscht. Es hat Frucht- und Kaffeebäume. Wir sahen hier die vier Feldstücke (Kanonen) welche diese Neger oder ihre Vorfahren 1804 einem holländischen Posten, den sie niedergemetzelt, abgenommen haben. Wir bemerkten auch zwei aus Lehm roh geformte Statuen in Hütten eingesperrt, wovon die Eine eine dicke Negerin, die andere einen großen Neger vorstellt, beide, wie ich glaube, Symbole ihrer Religion.
Gegen 4 Uhr des Abends hatten wir den Besuch von vier schönen Bonnis-Negern, welche eine Sendung bei den Boschs hatten. Nachdem wir sie mit einigen Gläsern Liqueur bewirthet hatten, sagte mir der eine von ihnen auf gut Creolisch, wie es in Cayenne gesprochen wird, daß er dahin gehe. Ich fragte ihn wohin? in derselben Sprache. Aber er schwieg und ließ mir durch meinen Dolmetscher sagen, daß er einen jüngern Bruder habe, der diese Sprache gut spreche. Ich ließ mehrere Fragen an ihn richten, worauf er also antwortete: „wir sind zahlreicher als die Boschs; es gibt Franzosen unter uns. Wir haben viele Sassaparilla und Tucas, aber wir sind unglücklich, da wir nichts ohne Erlaubniß der Boschs thun können.“
Ich erklärte ihm darauf daß die Franzosen keine Sklaven mehr haben, und daß sie den Maroni ohne Furcht hinabfahren und bei uns von ihren Herren sich losmachen könnten. Als er mir die Geschichte von Oyapock berührte, gab ich ihm dieselbe Antwort, die ich dem Grand-Man gegeben hatte. Er war mit meinen Aufschlüssen so zufrieden, daß er meinen Dolmetscher umarmte und ihm versprach, er werde bald nach der Mündung des Maroni hinabfahren. Ich zeigte ihm Kautschuk-Samen; er kannte ihn, und versprach mir ihn aufzusuchen und mir das Ergebniß seiner Nachsuchungen mitzutheilen. Die Pulingudu versprachen es mir ebenfalls. Die Sassaparilla findet sich auch bei ihnen, allein sie wollten uns nicht erlauben uns hievon persönlich zu überzeugen, in der Furcht wir könnten deßwegen von ihren Herren, den Boschs, mißhandelt werden, von denen sie sich übrigens bald losreißen werden.
Am Maroni und dessen Verzweigungen wohnen ungefähr 15,000 Neger, die fast gar nichts erzeugen und wovon die Hälfte den Boschs zinsbar, selbst ihre Sklaven sind, als:

Im Dorfe Pulingudu ungefähr
    200
Die Bonnis am Lava-Flusse ungefähr
  5000
Am obern Saranna-Flusse und in einer Bucht welche mit dem Maroni in Verbindung steht und unterhalb des Dorfes Pulingudu, ungefähr


  3000
Die in 14 Dörfern oder Hauptmannschaften am Maroni vertheilten Boschs ungefähr

  7000
Zusammen
15,200

Alle diese Neger wohnen im französischen Guyana, mit Ausnahme derjenigen welche am Flusse Saranna und in der Bucht, welche im Maroni ausmündet, wohnen.
Da der Hauptmann des Dorfes Pulingudu mir gesagt hatte, daß er zwei Reisen unter die indischen Völkerschaften, welche jenseits der Boschs wohnen, gemacht, fragte ich ihn welche Reiseroute er verfolgt.
Man muß zuvörderst, sagte er, die Erlaubniß des Grand-Man haben. Die ganze Reise hin und her dauert einen Monat. Hinter den Dörfern der Boschs hat man noch vier bis fünf Tage Wegs um die Berge zu überschreiten, deren Abhang gegenüber der Weg zu dem Flusse der Völkerschaften führt, welche von dem Flusse Maroni, Surinam und Demerary sich geflüchtet und wovon einige noch die ursprüngliche Sprache ihrer Länder reden. Wir holen bei ihnen Hängematten und Jagdhunde spanischer Race.
Diese Indier verschaffen sich ihrerseits diesen Gegenstand an einem andern Flusse, an welchem indische Völkerschaften wohnen, die nicht dieselbe Sprache wie sie reden. Weder ich noch einer der Meinigen sind je bis zu diesen Völkerschaften gekommen. Die ersteren wollen es nicht und behalten dadurch das Monopol des Verkehrs zwischen uns und ihren Nachbarn. Alles was ich weiß, ist daß sie fast alle Kähne aus Baumrinde haben, deren Bau höchst sinnreich ist. (Dieselben Bäume befinden sich auch am Maroni).
Meine Tapuyes urtheilten aus der Erzählung dieses Mannes, daß die Völkerschaften von denen die Rede, nicht weit von dem Flusse der Trompeten (das Trompettas), dessen Mündung bei Abuder, einer Stadt am linken Ufer des Amazonenflusses, sich befindet.
Bei dieser Gelegenheit will ich erwähnen, daß ich im Jahre 1846, auf einer Reise am obern Amazonenflusse, den Fluß der Trompeten zwei Tage lang hinaufgefahren, und daß ich dort erfahren, Hr. Adam von Bauyn sey ebenfalls im Jahre 1832 oder 1833 mit Tapuyes diesen Fluß hinaufgefahren, um nach Cayenne zu gelangen; da er jedoch das rechte Ufer statt des linken bestieg, gelangte er nach Demerary, nachdem er den Maroni verfehlt hatte.
Am 30sten verließen wir die Pulinguduer, nachdem wir mehrere kleine Gegenstände, die uns noch übrig geblieben waren, unter sie vertheilt hatten; der Dorfhauptmann gab uns vier Mann zur Begleitung um uns den Weg durch die ersten Sauts zu zeigen. Als unser Boot im Weiten war, feuerten wir mehrere Flintenschüsse als Zeichen unserer Dankbarkeit ab, worauf sie mit einem Freudengeschrei antworteten.
Am 1 December kamen wir am Fuß eines hohen Berges an, an dem rechten Ufer des Flusses, wo wir die Nacht zubrachten. Am 2ten erklommen unsere Leute bei Tagesanbruch diesen Berg. Auf dem Gipfel angekommen, kletterte einer von ihnen auf einen hohen Baum, von dem er aus noch bei weitem höhere Berge wahrnahm, an deren Fuße die beiden Flüsse Lava und der obere Maroni sich bildeten. Sie fanden Wacapon und Tarubes von außerordentlicher Dicke. Abends um 6 Uhr kehrten nur drei von ihnen zurück, der vierte hatte sich verirrt. In der Nacht feuerten wir mehrere Flintenschüsse ab, aber umsonst. Auch Tags darauf blieben unsere Nachforschungen erfolglos. Erst am dritten Tage fanden wir ihn fast vor Hunger sterbend wieder; dieser Unfall und die Weigerung der Boschs entmuthigten meine Leute, die in der Regel abergläubisch sind. Am 5ten waren unsere Lebensmittel fast zu Ende, daher wir beinahe den ganzen Tag auf die Jagd ausgingen.
Am 6ten reisten wir des Morgens weiter. Um 4 Uhr Abends, in der Nähe des Postens Armina, begegneten wir dem Grand-Man, der nach Hause zurückkehrte. Er schien minder gut gestimmt für uns, denn er hatte durch eines seiner Boote, das einen Tag früher als wir den Fluß herabgefahren, gehört, daß wir ohne seine Erlaubniß in eines seiner Dörfer eingedrungen waren. Als er jedoch der Gründe die uns dazu gezwungen, erfahren hatte, war er wieder zufrieden und erinnerte mich an mein Versprechen, ihm bei meiner Rückkehr von Cayenne einige Gegenstände nach seinem Geschmack zu bringen. Er gab uns beim Abschied die Hand. Wir übernachteten auf einer Insel, auf welcher es Carbets gab. Am 7ten fuhren wir den letzten Saut herab und übernachteten auf der kleinen Insel der Cassaves  des Patates Douces.
Den 8ten brachten wir die Nacht bei dem indischen Hauptmann Cornelis zu, wegen des schlechten Wetters und der entgegendringenden Fluth. Wir erfuhren mit unsäglichem Vergügen von den Indiern dieses Dorfes, daß der Hr. Generalcommissär des französischen Guyana während unserer Reise in den Fluß gekommen war und das Plateau Bonaparte für eine Niederlassung bezeichnet habe (dieser Plan wurde seitdem aufgegeben, und Hr. Fourichon, Nachfolger des famosen Sarda Garriga von dem soviel die Rede, hat den Paß St. Charles am Oyapock, dem entgegengesetzten Ende der Colonie, gewählt. Nun ist auch Hr. Fournichon ersetzt durch den Schiffshauptmann Bonnard der vielleicht wieder eine andere Wahl trifft). Der Platz konnte nicht besser gewählt werden, sowohl wegen der Berühmtheit seines Namens, als wegen der schönen Lage und Fruchtbarkeit des Bodens. An Flußwasser könnte man jedoch während des Sommers, zumal zur Zeit der starken Fluthen, daselbst Mangel leiden.
Am 9ten kamen wir bei Hrn. Montecattini um 2 Uhr Nachmittags an. Am 10ten schickten wir uns zur Abreise an. Am 11ten reisten wir mit der Morgenfluth und hielten an der Niederlassung Napoleon Bonaparte, wo mehrre Arbeiter bereits beschäftigt waren Hütten (cases) aufzurichten. Um 6 Uhr Abends lichteten wir den Anker und um 11 Uhr warfen wir ihn an der Mündung der Bucht Lamantine.
Am 12ten am frühen Morgen fuhren wir wieder ab. Um 2 Uhr Nachmittags gewahrten wir das Dampfboot Oyapock an der Mündung des Manaflusses. Um 6 Uhr warfen wir, einen Augenblick nach ihm, am Flecken Bourg Anker.
Am 13ten fuhren meine Leute den Mana bis zum ersten Saut hinauf, und kamen am 17ten alle fieberkrank zurück. Sie haben daselbst Kautschuk-Bäume in so großer Anzahl und von größerem Durchmesser als am Maroni entdeckt, auch einige Sassaparilla-Pflanzen. Dieser Fluß ist, nach der Meinung eines Tupuya, Namens Antonio Calixto de Pavia, des tüchtigsten meiner Tupuyes, fruchtbar.
Am 19ten verließen wir die Mana, und am 24sten, nachdem wir gegen Wind, Hagel und hohe Meereswellen vergebens gekämpft hatten, waren wir genöthigt nach der Mana zurückzusteuern um unsere Segel auszubessern und uns mit Lebensmitteln zu versehen. Meine Leute waren noch immer krank. Am 30sten fuhren wir wieder ins Meer ein, und erst am 11ten Januar 1853, konnten wir in den Fluß Cananoma einfahren, um Lebensmittel aufzunehmen.
Am 13ten, während wir bei den Einwohnern uns mit Lebensmitteln versahen, fanden wir in der Bucht Kautschuk-Samen, die wir ihnen zeigten. Sie kennen sie unter dem Namen von Körnern (Palma Christi grand bois), und es gibt deren an den Flüssen Cananoma und Iracubo. Ich kündigte ihnen an, daß ich vom Generalcommissär beauftragt sey die Bäume aufzusuchen welche solche Körner tragen, daß man sie Kautschuk nenne und daraus Schuhe und eine große Anzahl nützlicher Gegenstände verfertige, daß die Entdeckung dieser Bäume eine Quelle des Reichthums für die Gegenden unter dem Winde und für Guyana im allgemeinen würde.
Die Indianer dieses Flusses kennen wohl diese Bäume, wissen aber nicht daß dieselben z t etwas brauchbar sind, sie haben ihnen bisher keinen Werth beigelegt. Sie ersuchten mich den Fluß noch etwas über ihr Dorf hinaus zu befahren, wo wir mehrere Kautschuk-Bäume fanden. Ich zeigte ihnen, wie man die Milch auszieht. Sie versprachen mir diese Bäume aufzusuchen und dem Commandanten des Bezirks, sobald sie solche in einiger Anzahl gefunden haben, davon Anzeige zu machen. Sie baten mich auch künftigen Frühling zu ihnen zu kommen und ihnen die Bearbeitung des Gummi zu zeigen.
Den 15ten gelangten wir zur Mündung des Sinnamary, und Tags darauf um 5 Uhr Abends kamen wir im Flecken an. Am 17ten besuchte ich mehrere Einwohner des Dorfs, die mich seit lange mit Ungeduld erwarteten. Sie ersuchten mich ihnen die Kautschuk-Bäume zu zeigen, die sie unter dem Namen Körner von Palma-Christi groß Holz (graines de Palma Christi grand bois) kannten, wegen ihrer Aehnlichkeit mit den Körnern der wirklichen Palma-Christi.
Den 18ten fuhr ich mit meinen Tapuyes den Fluß bis zu den zwei indischen Dörfern hinauf, wo ich selbst auf dem Wege Kautschuk-Bäume sah; diese Indier nennen sie Potono Titrimari. Ich fragte sie, ob sie die Oerter kennen, wo diese Bäume in beträchtlicher Anzahl neben einander wachsen. Sie sagten mir, daß es deren überall gäbe, daß sie aber nie auf die Menge geachtet, da sie nicht wüßten daß sie etwas nütze wären, und sie von den Früchten keinen andern Gebrauch machten als sich ihrer als Lockspeise beim Fischfang zu bedienen, da gewisse Fische lüstern darnach seyen.
Ich belehrte sie über den Nutzen der Kautschuk-Bäume: wie man die Milch herauszieht und was man zu thun hat, um den elastischen Gummi in seinen verschiedenen Formen daraus zu erhalten. Ich fügte hinzu, daß er sehr vortheilhaft verkauft wird und daß die Regierung sie belohnen werde, wenn es ihnen gelänge diese Bäume gruppenweise aufzufinden. Sie waren über diese Mittheilung so erfreut, daß sie mir versprachen sich unausgesetzt damit zu befassen und die Ortsbehörden von dem Ergebniß in Kenntniß zu setzen.
Als ich bei dem Indier Philippo ein Stück Werg von der Rinde des Baumes gesehen hatte, welchen die Portugiesen Castheneiro Campmayo, die Creolen Canari Macaque und die Indier dieses Flusses Mecu Turandri nennen, fragte ich ihn, ob sich nicht hier eine andere Art Bäume befinde, die diesen gleichen, und welche die wahren Tuca sind, die uns aus Para zukommen.
Nachdem ich ihm begreiflich gemacht, welches die Form seiner Schale (cabassi) ist, versicherte er mich, daß dieser Baum unter dem Namen Tucutier existire, daß er aber nie gewagt habe ihn zu öffnen, fürchtend es wäre Gift. Er hätte mir welche verschafft, wenn ich meinen Aufenthalt bei ihm hätte verlängern können. Die Tuca bilden einen Handelszweig von Para. Schiffe, größtentheils englische und amerikanische, kommen zur Zeit der Ernte, welche gegen Ende Februar anfängt und bis Mai und Junius dauert, um starke Ladungen aufzunehmen. Die Rinde des Baumes gibt die besten Stoffe, die Schiffe zu kalfatern, und das Holz ist zur Bemastung sehr tauglich. Der Baum wächst sehr hoch, sehr gerade und wird sehr dick.
Den 21sten stieg ich am Flecken aus und gab den Einwohnern mehrere Zweige von Kautschuk-Bäumen die sie erkannten. Die HH. Cousin und Vorart welche immer Holzlager hier besaßen, versicherten mich, daß diese Bäume an ihrem Flusse sehr zahlreich sind, daß sie es übernehmen würden, deren gruppenweise in Cayenne aufzufinden und dem Commandanten davon Kenntniß zu geben. Sie nahmen mir das Versprechen ab in der guten Jahreszeit zurückzukommen, um ihnen die Zubereitungsmittel zu zeigen; denn, setzten sie dazu, das wäre unser Glück, da man diese Industrie ohne alle Hülfsmittel betreiben kann.
Der Fluß Sinnamary scheint fruchtbar und verdient von Tupuyes untersucht zu werden. Nach dem was ich mit meinen Tupuyes, welche sehr erfahren in der Sache sind, gesehen, nach dem was alle Indier mir gesagt und nach den Erkundigungen die ich eingezogen, bin ich überzeugt, daß der Kautschuk, Copasu, Tuca, Taube, die Grenadelle, sowie die Sassaparilla und viele andere nützliche Pflanzen gruppenweise in den Wäldern des französischen Guyana vorhanden sind.
Am 22sten um 4 Uhr Morgens reisten wir aus der Mündung des Sinamary ab, und den 26sten um 8 Uhr Morgens warfen wir im Hafen von Cayenne Anker.

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