Direkt zum Hauptbereich

Ruinen in Centro-Amerika

Unveränderter Originaltext aus der Zeitschrift:

Das Ausland. 
Eine Wochenschrift für Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker.
Nr. 19, 12. Mai 1854, S. 447

Autor: N.N.

Platz der Hinrichtung Kaiser Maximilians von Mexiko in Queretaro

In der Versammlung der amerikanischen ethnologischen Gesellschaft am 11 März d. J.  theilte Hr. Squier mehrere Risse von bedeutenden, bis jetzt unbekannten Ruinen mit, von denen nachstehende als die bemerkenswerthesten auszuheben sind.
1) Die Ruinen von Tenampua auf einen hohen, oben flachen Hügel, welcher die große Ebene von Comayagua beherrscht. Dieser Hügel ist von Natur auf allen Seiten steil, und nur auf drei Punkten zugänglich, die durch massive Steinmauern gedeckt sind. Der Gipfel, welcher mehr als anderthalb (engl.) Meilen Länge und mehr als eine halbe Meile Breite hat, ist buchstäblich mit Ruinen bedeckt; diese bestehen meistens aus pyramidalen Bauten von verschiedener Größe, aber stets in drei oder mehr Stockwerken, zu denen man nach der für die Teocallis von Mexico (diese Teocallis oder Pyramiden von Mexico haben nur auf einer Seite Stufen; die Treppe ist aber nicht an der Außenseite der Pyramide angebracht, sondern in die Masse des Baues eingeschnitten) angenommenen Art durch eine Reihe von Stufen hinaufsteigt. Das Hauptgebäude, der Tempel genannt, hat etwa 300` Länge und 180` Breite, und schließt mehrere pyramidale Bauten in sich, die augenscheinlich die Hochorte der alten Religion waren. Der Hügel ist durch zwei große, jetzt fast ausgefüllte Cisternen mit Wasser versehen. Hr. Squier glaubt, daß die Gesammtzahl der großen und kleinen Denkmale sich auf 250 bis 300 belaufe. Aus Mangel an Zeit konnte er nur die bedeutendsten sorgfältig messen und aufnehmen. Er bemerkt, die fruchtbare Ebene, welche sich am Fuße des Hügels ausdehnt, trage zahlreiche Spuren einer ehemals mächtigen Bevölkerung, dem Gipfel des Hügels fehle es aber an allem, was für die Anlage einer Stadt am nothwendigsten sey. Tenampua sey also wahrscheinlich ehemals zugleich ein heiliger Ort und eine Veste oder Zufluchtsort für die ehemaligen Bewohner der Ebene in Tagen der Gefahr gewesen.
2) Die Ruinen von Calamulia liegen auf den Erhebungen des Bodens südwestlich von der Ebene von Comayagua auf der Straße nach der indischen Stadt Guachiquero. Der Ort zeichnet sich durch malerische Schönheit aus. Er ist eine mit großen Fichten leicht übersäete und von einem klaren Bach fast umgebene Savanne. Die Ruinen selbst haben viel Aehnlichkeit mit denen von Tenampua, sind aber minder zahlreich und kleiner. Die Hauptpyramide ist äußerlich mit Steinen verkleidet, und zeigt auf der Westseite einer Treppe. Wenn die Indier bei diesem Bauwerk vorübergehen, nehmen sie, wie sie vor den christlichen Kirchen zu thun pflegen, den Hut ab.
3) Die Ruinen von Tchapulistagua liegen etwa 15 Leguas von der Stadt Comayagua in dem Thale, das einer der Hauptzuflüsse des Sulaco durchfließt. Sie zeichnen sich durch ihre vortreffliche Erhaltung und ihre Größe aus. Die Hauptbauten sind so gestellt, daß sie ein Viereck bilden. Von der Mitte dieses Vierecks läuft gegen Osten eine breite mit platten Steinen gepflasterten Straße, welche anderthalb Leguas weit auf den Gipfel eines hohen, das Thal beherrschenden Hügels führen soll, wo sich eine große Pyramide von fünf Stockwerken befindet. Nach einer von den Indiern bewahrten Tradition führt ein unterirdischer Gang von diesen Ruinen nach denen von Tenampua.
4) Die Ruinen von Chamalteca finden sich in der Ebene von Espino, acht Leguas nördlich von Comayagua und gleichen vollständig den bereits beschriebenen. Der Hauptbau erhebt sich auf einer breiten mit Steinen gepflasterten Terrasse, und ist von kleineren regelmäßig gestellten Bauten umgeben. Das anstoßende Thal ist voll von Alterthümern, und allenthalben, wo man nachgräbt, findet man geschickt gearbeitete und glänzend bemalte Vasen, sowie zahlreiche, gut ausgeführte Sculpturen.
Hr. Squier fügt hinzu, 25 bis 30 Gruppen ähnlicher Denkmale habe er in den Staaten Honduras und Salvador im ganzen Lande von einem Meer zum andern zerstreut gefunden. So bedeutend sie aber auch seyen, so ließen sie sich doch gar nicht vergleichen mit denen, welche er im Departement Gracias im westlichen Honduras an den Gränzen von Guatemala entdeckt habe. In diesem Departement finden sich auch die Ruinen von Copan, welche Stephens zum Theil beschrieben hat. Diese liegen an den Ufern eines der südlichen Zuflüsse des Motagua, während die von Squier entdeckten an den großen Parallelthälern, welche von den Flüssen Tchamelicon und Santiago bewässert werden, und in der großen Ebene von Sensenti sich finden, wo der zweite dieser Flüsse entspringt. Alle diese Denkmale zeigen denselben Styl, wie die von Copan, und sind reich an Sculpturen und Hieroglyphen. Einige Bildsäulen stehen als Kunstwerke den besten, die man bisher auf dem amerikanischen Continent entdeckt hat, nicht nach. Hr. Squier citirt unter anderem einen kolossalen, in den Ruinen von Yulpates aufgefundenen Kopf als die reinste und am meisten classische Probe eingeborner amerikanischer Kunst, die ihm noch vorgekommen, und fügt hinzu die Ruinen seyen so zahlreich und ausgedehnt, daß in mehreren Städten die meisten Kirchen sowie eine große Anzahl Privatwohnungen und Landhäuser aus den dort entnommenen behauenen Steinen gebaut worden seyen. Die Ruinen von Copan wurden nie vollständig erforscht; die Regierung von Honduras hatte Anstalten getroffen, dreihundert Mann zur Verfügung von Squier zu stellen, um eine genaue Erforschung vornehmen zu können, allein die Einfälle der irregulären Truppen des indischen Dictators Carrera, der den Titel eines Präsidenten von Guatemala angenommen hat, hinderten die Ausführung.
Dieser Theil Guatemala`s ist hoch und gesund, und scheint ehemals stark bevölkert gewesen zu seyn. Der große Häuptling Lempira, Cazique von Cerquine und Sensenti, konnte dem Calel oder Caziquen von Copan, der gegen die Spanier kämpfte, 30,000 Mann zu Hülfe schicken. Er behauptete sich lange gegen sie, und der Berg, wo er den letzten Widerstand leistete, trägt noch seinen Namen. Die Indier haben an der Stelle wo er fiel, eine Kirche gebaut, und begeben sich jährlich dahin, um für seine Seele zu beten. San Salvador war nach Squier großentheils von Nahuatl-Stämmen oder ächten Mexikanern bewohnt; zur Zeit der Eroberung besaßen sie das zwischen dem Fluß Lempa und dem stillen Meer liegende Land. Ein starkes Bruchstück, dessen Sitten sich wenig verändert haben, bewohnt noch einen Theil der sogenannten Balsamküste, auf einer Strecke von mehr als 60 (engl.) M., fast vom Hafen la Libertad an bis zur Chaussee von Acahoutla. Der ganze Stamm hat indeß seine Nahuatl-Sprache, sowie die bürgerlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen seiner Vorfahren verloren. Sie sammeln den berühmten peruvianischen Balsam, der trotz seines Namens ausschließlich von dieser Küste kommt.
Die Hauptruinen von San Salvador sind die von Opico, nahe bei San Vicente; sie bestehen in ungeheuren Terrassen, in Thürmen, pyramidalen Gebäuden, in Höhlen und unterirdischen Gängen, sowie auch einigen Bauresten von der Art derer in Palenque. Squier bedauert, daß Mangel an Zeit ihm nicht gestattet habe, alle diese Ruinen genauer zu untersuchen; ein verständiger Forscher fände hier Arbeit für mehrere Monate. Indeß hat Hr. Squier doch eine große Anzahl Zeichnungen und Plane mitgebracht, die demnächst herauskommen sollen.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Herkunft der Kroaten

Die Kroaten (kroatisch Hrvati) sind ein Volk, das heute hauptsächlich in Kroatien, in Teilen von Bosnien-Herzegowina und im österreichischen Burgenland lebt. Sie sprechen eine südslawische Sprache und gehören der römisch-katholischen Kirche an. Abhängig von der Wirtschaftslage ihrer Heimat, zog es viele Kroaten im Laufe der Zeit auch ins Exil. Kroatische Minderheiten leben heute unter anderem in Westeuropa, Amerika und Ozeanien.

Im Zuge einer Völkerwanderung besiedelten im 6. / 7. Jahrhundert slawische Stämme ihr Gebiet. Eine in Tanais, einer ehemaligen griechischen Kolonialstadt in Russland am unteren Don, gefundene Schrift aus dem 2. Jahrhundert enthält den Namen Horoathos. In den kirchenslawischen Quellen werden Hrvate erwähnt. In Kärnten gibt es im 10. Jahrhundert Kroatengaue.

Bemerkenswert ist die Namensähnlichkeit mit einem Stamm, der bis zum 11. Jahrhundert in Schlesien und Teilen Böhmens erwähnt wird. Diese Chorwaten, die dort gelebt haben, sind in einer Urkunde von 1086 auch …

Die Venus von Willendorf

Die Venus von Willendorf ist eine circa 30.000 Jahre alte Figur aus Stein, die 1908 in der Wachau bei Willendorf in Österreich gefunden wurde. Sie stammt aus der jüngeren Altsteinzeit und wird heute im Naturhistorischen Museum Wien aufbewahrt. Sie ist eines der ältesten bekannten Kunstwerke überhaupt und ist so kostbar, dass über lange Zeit dem Besucher lediglich eine Nachbildung anschaubar war. Heute ist das Original von einer speziellen Tresorvitrine umgeben.

Die Venus im Museum
Was stellt die Venus dar?

Die Figur ist 11 Zentimeter hoch und hat breite Brüste und Gesäß. Ursprünglich war sie dick mit roter Farbe bemalt. Den Kopf umgibt eine auffallend lockige Haarpracht, die reihenförmig und noppenartig angeordnet ist. Es könnte sich auch um eine Kopfbedeckung handeln, die recht kunstvoll anmutet und über die Stirn gezogen ist. Unter dieser ist auf der linken Seite der unteren Kopfhälfte ein Loch erkennbar, das eindeutig an ein Auge erinnert. Unten am Kopf befindet sich mittig ein kur…

Kroaten im Ausland

Kroatien mit der Hauptstadt Zagreb hat heute rund 4,3 Millionen Einwohner. Im Jahr 2000 lebten in Bosnien-Herzegowina rund 570.000 Kroaten und davon ungefähr 48.000 in Mostar. Nach Schätzungen gibt es im Ausland etwa 1,5 bis 2 Millionen Kroaten.

Die erste Auswanderungswelle nahm mit den osmanischen Eroberungen auf dem Balkan im 15. und 16. Jahrhundert ihren Lauf. Im Zuge derer flohen Einwohner bedrohter Gebiete in sichere Teile Kroatiens, nach Österreich, in die Slowakei und nach Ungarn. In dieser Zeit siedelten sich auch die ersten Kroaten im Burgenland an, von denen heute noch 60.000 dort leben. Im Westen Ungarns beläuft sich die Zahl der Burgenlandkroaten noch auf 10.000, die der übrigen ist mit 100.000 allerdings noch etwas höher, meist in den angrenzenden Gebieten. Für die Slowakei gibt es keine genauen Zahlen.

In der Wojwodina, dem nördlichen Teil Serbiens, sind nach der Volkszählung von 2002 noch circa 60.000 Kroaten ansässig. In Montenegro wurden 2003 circa 7000 Kroaten gezäh…