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Sultan Mahmud

Ein Artikel aus der Zeitschrift "Das Ausland."
Ein Tagblatt für Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker.
München, J.G. Cotta´sche Buchhandlung, Nummer 281, 8. Oktober 1829

Obgleich die Beschreibung, welche Macfarlane von dem persönlichen Aeußeren des Sultans giebt, bereits aus den Londoner Zeitungen in die französischen und aus diesen in die meisten deutschen politischen Blätter übergegangen ist, dürfte eine Mittheilung dieser interessanten Stelle aus dem Original in dem gegenwärtigen Augenblicke unsern Lesern doch vielleicht nicht unangenehm seyn:

"Ich hatte in einer Reisebeschreibung gelesen, daß die Farbe des Großherrn eine tödtliche Blässe, und daß der Ausdruck seines Gesichts von jener unheilbedeutenden Melancholie nicht frei sey, welche gewöhnlich auf der Stirne seines Verwandten und Vorgängers, des unglücklichen Selim, lag. Er war indessen, als ich ihn sah, so weit von Blässe entfernt, als dieß irgend möglich ist, sein Gesicht außerordentlich von der Sonne verbrannt, und seine Farbe ein männliches Braun. Doch überzeugte ich mich später von der Richtigkeit der Angabe des Reisenden; er hatte das kränkliche Aussehen des Serails erst abgelegt, seit seine Neigung für das Feldleben und die militärischen Exercitien sich in ihm entwickelt hatte. Männliche Uebungen und die beständige Einwirkung von Sonne und Wind konnten auf der Wange eines Vierzigers keine Rosen pflanzen; aber sie hatten ihr das gegeben, was einem Krieger und Reformator besser ansteht. Statt der Melancholie und Niedergeschlagenheit eines Unglücklichen bemerkte ich den Ausdruck von Festigkeit und Gelöstvertrauen und von einem Hochmuth, der nicht ohne einen gewissen Grad von Wildheit war. Seine hohen und orientalisch geschwungenen Augenbrauen, seine großen kohlschwarzen Augen, die aber gewöhnlich trüb sind, sein dicker schwarzer Bart und Schnurrbart, welcher den ganzen untern Theil des Gesichts bedeckt, die herrische Haltung - Alles ist darauf berechnet, zu überraschen, und stimmt vollkommen zu unserer malerischen Vorstellung von einem Despoten des Orients.

Vielleicht gab es mehr als einen Türken in seinem Gefolge, welcher diese Züge in noch größerer Vollkommenheit hatte, und den daher ein Fremder leicht für den Sultan hätte halten können; aber in Mahmuds Aeußerem liegt ein so entschiedener Charakter, daß keine Verkleidung ihn vor denen verbergen kann, die ihn einmal gesehen haben. Dieß erzählten mir Türken, Griechen und Armenier, die ihn oft mit Furcht und Zittern wieder erkannt haben, wenn er mit einem einzelnen Begleiter - unansehnlich gekleidet, gleich jenem selbst - in den dunkeln Straßen von Konstantinopel umher wandelte: ein Vergnügen, welches er bis in den letzten Winter sich nicht selten zu verstatten pflegte.

Seine Gestalt ist nicht groß, aber breite Schultern, eine offene Brust und tüchtige Arme zeigen Stärke und große körperliche Kraft an. In der That bis auf die letzte Zeit, wo er sich ausschließlich den Militärexercitien hingab, war sein größter Stolz, den "längsten Bogen" in seinem Reiche zu führen; und die kleinen Steinpfeiler, die in der Vertiefung des Atmeidan in bedeutender Entfernung aufgerichtet sind, um die Weite, welche die Pfeile erreichten, zu bezeichnen, sprechen von nicht gewöhnlicher Kraft des Armes. Seine unteren Theile sind nicht so gut gebildet, als die oberen; wie beinahe bei allen türkischen Großen, die ich gesehen habe, zeigt sich in seinen Beinen eine Unvollkommenheit und Ungefälligkeit, welche ohne Zweifel von der orientalischen Sitte, beständig mit untergeschlagenen Beinen zu sitzen, herrührt, da durch dieselbe der Umlauf des Blutes gehemmt und Mißgestaltung und Mißwuchs veranlaßt werden muß. Mahmuds Jugendjahre waren überdieß in der unthätigen Gefangenschaft des Serails, unter alten Weibern und Sclaven, von jeder Gelegenheit zu männlichen Uebungen ausgeschlossen geblieben.

Die türkischen Herren so sehr als die Damen sind besonders stolz auf eine schöne weiche Hand; dennoch sind sie bis jetzt unerbittliche Feinde jener künstlichen Bedeckungen und Verwahrungsmittel gewesen, welche unter uns bei beiden Geschlechtern für unentbehrlich gelten. Noch kein Türke hat Handschuhe getragen, und die Hände des Sultans waren bloß, so wie die aller Uebrigen; - eine Kleinigkeit, die dem Europäer auffallen mußte. Seine Stiefel waren von schwarzem Sammt, so oft ich ihn in seinem militärischen Costüme sah; die Form war indessen europäisch, auch trug er sie a la Wellington unter den Hosen.

Mahmud erscheint am Meisten zu seinem Vortheil, wenn man ihn zu Pferde sieht. Außer des Freitags, wenn er in die Moschee geht, und bei andern großen religiösen Ceremonien, wobei Alles streng orientalisch ist, bedient er sich eines fränkischen Sattels und reitet ganz auf europäische Weise. In dieser Kunst hat er große Fortschritte gemacht; er hat einen guten Schluß, sitzt fest und gerade und könnte sich in der That selbst bei einer Musterung unserer schönen Reitergarden mit Ehren zeigen. Der Unterschied zwischen der türkischen und europäischen Art zu Pferde zu sitzen ist so groß, daß einem Reiter, welcher an die erstere gewöhnt ist, mit ihrem unermeßlichen Sattel, der einer Wiege ähnlich sieht, und den kurzen steifen Steigbügeln, welche die Knie fast in unmittelbare Berührung mit dem Unterleib bringen - sich nicht geringe Schwierigkeiten darbieten. Nur wenige von den Gardereitern des Sultans konnten einen festen Sitz halten mit ihren langen Steigbügeln, die man sie oft als eine Erfindung des Teufels, um den Menschen den Hals zu brechen, verfluchen hörte. Mahmud war ohne Widerstreit der beste Reiter, nach europäischer Weise, in seiner Armee; und diese Geschicklichkeit, nebst einem anderen Talente, welches er immer mehr vervollkommnet, nämlich dem, eine Abtheilung Cavallerie zu commandiren, macht seinen größten Stolz und Ruhm aus."

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