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Über den Ursprung des Namens Amazonenstrom

Unveränderter Originaltext aus der Zeitschrift:

Das Ausland.
Eine Wochenschrift für Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker.
Nr. 1, 6. Januar 1854, S. 23

Autor: N.N.

Begräbnisplatz der Frau eines Indianer-Häuptlings

Von einem Hrn. Af. Wallace ist eine Reisebeschreibung unter dem Titel: Narrative of travels on the Amazon and Rio Negro, herausgekommen, welche mehrere einheimische Stämme genau beschreibt. Unter diesen nehmen die Indianerstämme am Flusse Naupès einen vorzüglichen Rang ein, denn sie scheinen einer bedeutenden intellectuellen Cultur fähig. Ihr Körper ist schlank, stark gebaut und gut entwickelt; sie treiben Ackerbau und haben bleibende Wohnstätten. Diese erinnern an die kolossalen Häuser einiger Stämme des indischen Archipels, denn sie sind so gebaut, daß sie viele Familien, manchmal einen ganzen Stamm aufnehmen könen. Eines, welches Hr. Wallace sah, war 115` lang, 70` breit und etwa 30` hoch, aus Holz und Palmblättern mit großer Mühe und Geschicklichkeit gebaut, und sorgfältig mit Palmblättern gedeckt. Diese Häuser sind in ihrer Art gut möblirt, obwohl das Volk, das sie baut, völlig unbekleidet ist, und eine bemalte nackte Haut als den besten Beweis von Anstand betrachtet. In einer bestimmten Beziehung ist die Nachricht über diese Indier von besonderem Interesse, da ihre Sitten und ihr Aussehen die alte Fabel von einem Amazonenvolk in der Nähe dieses mächtigen Stroms zu erklären scheint. Wir führen die wahrscheinliche Erklärung dieser Fabel mit den eigenen Worten des Reiseberichts an:

Autor: Alfred Russel Wallace

„der Gebrauch von Zierrathen und Schmucksachen verschiedener Art ist fast durchaus auf die Männer beschränkt. Die Weiber tragen ein Bracelett am Handgelenk, aber keine Halsketten, und keinen Kamm in den Haaren, sie haben ein Band unterhalb des Knies, von Jugend an sehr fest geknüpft, um die Waden anschwellen zu machen, was als eine große Schönheit gilt. Nur wenn die Weiber an den Festlichkeiten tanzen, tragen sie eine aus Korallen zierlich gefertige Tanga oder Schürze, nur etwa 6 Zoll im Geviert, sonst wird sie aber nie getragen, und auch gleich nach dem Tanze wieder abgenommen. Die Männer dagegen tragen das Haar sorgfältig gescheitelt, auf beiden Seiten gekämmt und hinten in einen Zopf gebunden. Bei den jungen Männern hängt es in langen Locken den Hals hinunter, was ihnen in Verbindung mit dem unfehlbar auf dem Kopf eingesteckten Kamm ein höchst weibisches Aussehen gibt. Dieß wird noch erhöht durch zahlreiche Halsketten und Braceletten von Korallen und sorgfältige Ausrottung jeder Spur von Bart. Diese Umstände zusammengenommen machen es höchst wahrscheinlich, daß die Geschichte von den Amazonen aus diesem weibischen Ansehen der Krieger stammt, auf welche die alten Reisenden stießen. Ich bin zu dieser Annahme umsomehr geneigt, als der erste Anblick denselben Eindruck auf mich machte, und ich erst beim Nähertreten bemerkte, daß ich Männer vor mir hatte; da der Vordertheil des Körpers und die Brust durch den stets geführten Schild bedeckt ist, so bin ich überzeugt, daß jeder, der sie zuerst sieht, sie für Weiber hält. Wir haben deßhalb bloß anzunehmen, daß Stämme mit denselben Sitten, wie wir sie jetzt am Naupès finden, auch die Gegenden bewohnten, wo man die Amazonen gesehen haben will, und wir haben eine ganz natürliche Erklärung des Berichts, der alle Geographen in so große Verlegenheit setzte.“

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