Direkt zum Hauptbereich

Geschichte der Mennoniten

Die Ursprünge in den Niederlanden

In Westpreußen siedelten sich während des 16. und 17. Jahrhunderts eine Vielzahl an niederländischen / niederdeutschen Mennoniten an. Es handelt sich um eine aus der Reformation hervorgegangene protestantische Freikirche, benannt nach dem friesischen Wiedertäufer Menno Simons.

Sie entstand aus der Täuferbewegung, die um 1525 in der Schweiz aufkam und sich rasch nach Süddeutschland ausweitete. Die reguläre Kirche versuchte zu Anfang, die Mennoniten zu verdrängen, weil nach deren Verständnis die Kindestaufe abgelehnt und durch freiwillige Taufen ersetzt wurde. An dieser Praxis lehnte sich auch der frühe Name der Glaubensrichtung an.

Sowohl die katholische Kirche als auch die neu entstehende lutherische Kirche lehnten diese Verhaltensweise aber ab. Im Zuge der Reformation breiteten sich die Täufer über Baden und das Elsass immer weiter gen Norden aus, bis sie schließlich die Niederlande erreichten. Hier vertrat Menno Simons eine gemäßigte und friedliche Politik und einte die verstreuten Gemeinden. Dieser wurde eine Art Leitfigur für die Täufer, und man entschloss sich, die Glaubensrichtung nach ihm zu benennen.

Flucht in eine neue Heimat

Selbst in den damaligen Niederlanden, die es im Sinne des heutigen Staates noch nicht gab und deren Bewohner Bestandteil des deutschen Bundes waren, wurden die Mennoniten nicht gern gesehen. So blieb den Menschen, die diese Art des Glaubens vertraten, kein großer Spielraum. Im zur polnischen Krone gehörenden Weichsel-Delta nahm man sich der Flüchtlinge an. Dort wurden neue Bewohner gebraucht, die die Sümpfe kultivierten und das entstandene Land bewirtschaften konnten. Das Ziel war es mitunter, die deutsche Kultur im Osten zu sichern. Die Mennoniten brachten nicht nur ihre Religion, sondern auch ihren plattdeutschen Dialekt mit in die Gegend. Die neuen Bewohner waren geduldet und entwickelten eine eigene Kultur. Auch ihre Sprache konnte sich verbreiten und erhalten.

Auswanderung in die Neue Welt

Nicht immer lief das Leben für die Mennoniten problemlos, denn auch in den Folgejahren hatten sie hart zu kämpfen. Der Dreißigjährige Krieg brachte Hunger, Krankheiten und Tod mit sich, und so entschlossen sich Glaubensflüchtlinge, Europa für immer den Rücken zu kehren. Im Zuge dessen wanderten viele von ihnen nach Amerika aus. In Pennsylvania gehörten sie zu den ersten deutschen Siedlern und gründeten 1683 den Ort Germantown. Die amerikanischen Staaten waren sehr liberal und hatten keine Probleme, Menschen verschiedener Glaubensrichtungen aufzunehmen. Die englische Krone, zu der das abhängige Amerika vorerst gehörte, lockte die Siedler mit Land und Bodenschätzen.

Davor stand eine strapaziöse und lange Fahrt über den Ozean, und eine ungewisse Zukunft in einem fremden Land. Der Kontakt zu Freunden und Verwandten ging für immer verloren, und es war nicht möglich, wie heute einen Besuch in der alten Heimat zu machen. Eine Schiffspassage war auch sehr teuer und eine Familie musste lange darauf sparen. Nicht selten wurde auf der Überfahrt jemand krank oder starb gar. Doch gelang der Anfang und hatte sich eine Siedlerfamilie eine Existenz aufgebaut, waren die Lebensumstände gut.

1693 spaltete sich in Pennsylvania das Amische ab, benannt nach dem Gründer Jakob Ammann, einem Prediger aus den Berner Westalpen in der Schweiz. Er betonte die stärkere Abschottung und gab seiner Ausrichtung eine starke kulturelle Prägung, die sich bis heute in dieser Gegend hält. Noch immer leben dort Menschen wie zu nichtindustriellen Zeiten, fahren mit Kutschen und tragen altmodische Kleidung. Auch ihre Sprache ist dem Deutschen sehr ähnlich und stammt noch von ihren Vorfahren, die Südwestdeutsche und Deutschschweizer waren (Alemannisch). Den Mennoniten wurde eine uneingeschränkte Ausübung ihrer Glaubensrichtung eingeräumt, und so kam es 1748 in Amerika auch zur Veröffentlichung der ersten deutschen Ausgabe des Märtyrerspiegels. Es handelte sich dabei um die Geschichte der christlichen Märtyrer von der Apostelzeit bis ins 16. Jahrhundert.

Zukunft in Russland für Daheimgebliebene

Die erste Teilung Polens 1772 brachte sodann Schwierigkeiten für in Westpreußen wohnende Mennoniten mit sich. Da die Religionsgemeinschaft den Wehrdienst ablehnte, durften sie sich auch nicht weiter ausbreiten. Auf Einladung von Zarin Katharina II. wanderten Tausende nach Südrussland aus. Diese erinnerte sich der Fähigkeiten, die sie bei der Urbarmachung des westpreußischen Landes hinlänglich bewiesen hatten, und sie versprach ihnen Religionsfreiheit und Aussicht auf Land. Sie sollten helfen, von den Türken zurückeroberte Landstriche zu erschließen. 1789 wurde die erste große Siedlung Chortitza in der Ukraine gegründet und 1804 folgte mit Molotschna eine zweite. Von dort aus breiteten sich die Mennoniten überall nach Russland aus.

Kultureller Niedergang im 18. Jahrhundert

1772 einigten sich Russland und Preußen unter Einverständnis durch Österreich auf die Teilung Polens, und so wurde das erstmals ab 1230 für die Deutschen gewonnene Land preußisch. In den Jahren 1793 und 1795 erfolgte die Zweite und Dritte Teilung Polens mit weiteren Gebietszuwächsen für Preußen. Da sich das auch sprachlich auswirkte, konnte sich ab diesem Zeitpunkt das Schrift- und Hochdeutsche immer mehr durchsetzen, und der Dialekt der Mennoniten war gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Westpreußen schon am Abflauen. So nahmen die Mennoniten bereits Kirchenbücher in Schriftdeutsch mit auf ihre Reise nach Russland. In der neuen Heimat blieb es auch dabei. Allein als Umgangssprache pflegten sie weiter ihren „Plautdietsch“ genannten Dialekt.

Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht wanderte ab 1874 etwa ein Drittel aller Russlandmennoniten nach Kanada ab. Innerhalb Amerikas gibt es heute auch Gemeinden unter anderem in den USA, Mexiko, Brasilien und Paraguay. Auf Grund von Diskriminierungen, denen die Mennoniten in Russland immer mehr ausgesetzt waren, hat sich ihre Zahl dort minimiert.

Als Deutsche in Russland wurden sie besonders nach 1900 zunehmend ausgegrenzt und waren oft gezwungen, sich in ihre Umgebung zu integrieren. Dazu zählte beispielsweise die Annahme der russischen Sprache, Lebensweise oder die Verheiratung mit inländischen Ehepartnern. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurden Deutsche in Russland zur Gefahr, da von der Staatsführung befürchtet wurde, diese könnten sich im Falle einer Eroberung mit den deutschen Soldaten verbünden. Wie andere Minderheiten in Russland, die bezichtigt wurden, mit den Deutschen kollaboriert zu haben, wurden auch Mennoniten in die zentralasiatischen Republiken verbracht. Das war für die stalinistische Regierung eine Entfernung, die ausreichte, um sicher vor einer Verbündung und daraus folgender Eroberung zu sein.

Wie leben Mennoniten heute?

Bereits vor dem Krieg lebten Mennoniten im heutigen Deutschland. Nach dem Krieg kamen viele Gläubige aus Westpreußen, Russland und Galizien dazu. Heute gibt es schätzungsweise über 200.000 Nachfahren von Mennoniten aus Russland in Deutschland. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurden die Lebensbedingungen in Russland und den zentralasiatischen Republiken schwieriger. Als Angehöriger der deutschen Kultur galt man als andersartig. Letztendlich war es auch die Armut, die viele der deutschen Exilanten dazu bewegte, ihrem Wohnort kehrt zu machen. Zahlreiche Mennoniten hatten das Bedürfnis, ein neues Glück zu finden und zogen in Länder, wo ihre Vorfahren vor mehreren hundert Jahren ihre weite Reise begannen. Dort halfen sie beim Aufbau neuer mennonitischer Kirchen und stärkten die vorhandenen Gemeinden. Besonders viele Kirchen gibt es heute nach wie vor in den alten mennonitischen Ursprungsgebieten in Deutschland, nämlich in der Pfalz und in Niedersachsen.


Hilfreiche Links

Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden
Verbund von mennonitischen Gemeinden in Deutschland

MennoLink
Service mit relevanten Inhalten,
unter anderem ein Plautdietsch-Wörterbuch

Mennonite Genealogical Resources
Wichtige Inhalte für Ahnenforscher, Auszüge aus Kirchenbüchern, Namenslisten, Übersicht zu Siedlungen, Kirchen uvm.

Homepage Hermann Schirmacher
Private Seite mit ausführlichen Infos, unter anderem eine Linkliste und genealogische Quellen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Herkunft der Kroaten

Die Kroaten (kroatisch Hrvati) sind ein Volk, das heute hauptsächlich in Kroatien, in Teilen von Bosnien-Herzegowina und im österreichischen Burgenland lebt. Sie sprechen eine südslawische Sprache und gehören der römisch-katholischen Kirche an. Abhängig von der Wirtschaftslage ihrer Heimat, zog es viele Kroaten im Laufe der Zeit auch ins Exil. Kroatische Minderheiten leben heute unter anderem in Westeuropa, Amerika und Ozeanien.

Im Zuge einer Völkerwanderung besiedelten im 6. / 7. Jahrhundert slawische Stämme ihr Gebiet. Eine in Tanais, einer ehemaligen griechischen Kolonialstadt in Russland am unteren Don, gefundene Schrift aus dem 2. Jahrhundert enthält den Namen Horoathos. In den kirchenslawischen Quellen werden Hrvate erwähnt. In Kärnten gibt es im 10. Jahrhundert Kroatengaue.

Bemerkenswert ist die Namensähnlichkeit mit einem Stamm, der bis zum 11. Jahrhundert in Schlesien und Teilen Böhmens erwähnt wird. Diese Chorwaten, die dort gelebt haben, sind in einer Urkunde von 1086 auch …

Die Venus von Willendorf

Die Venus von Willendorf ist eine circa 30.000 Jahre alte Figur aus Stein, die 1908 in der Wachau bei Willendorf in Österreich gefunden wurde. Sie stammt aus der jüngeren Altsteinzeit und wird heute im Naturhistorischen Museum Wien aufbewahrt. Sie ist eines der ältesten bekannten Kunstwerke überhaupt und ist so kostbar, dass über lange Zeit dem Besucher lediglich eine Nachbildung anschaubar war. Heute ist das Original von einer speziellen Tresorvitrine umgeben.

Die Venus im Museum
Was stellt die Venus dar?

Die Figur ist 11 Zentimeter hoch und hat breite Brüste und Gesäß. Ursprünglich war sie dick mit roter Farbe bemalt. Den Kopf umgibt eine auffallend lockige Haarpracht, die reihenförmig und noppenartig angeordnet ist. Es könnte sich auch um eine Kopfbedeckung handeln, die recht kunstvoll anmutet und über die Stirn gezogen ist. Unter dieser ist auf der linken Seite der unteren Kopfhälfte ein Loch erkennbar, das eindeutig an ein Auge erinnert. Unten am Kopf befindet sich mittig ein kur…

Kroaten im Ausland

Kroatien mit der Hauptstadt Zagreb hat heute rund 4,3 Millionen Einwohner. Im Jahr 2000 lebten in Bosnien-Herzegowina rund 570.000 Kroaten und davon ungefähr 48.000 in Mostar. Nach Schätzungen gibt es im Ausland etwa 1,5 bis 2 Millionen Kroaten.

Die erste Auswanderungswelle nahm mit den osmanischen Eroberungen auf dem Balkan im 15. und 16. Jahrhundert ihren Lauf. Im Zuge derer flohen Einwohner bedrohter Gebiete in sichere Teile Kroatiens, nach Österreich, in die Slowakei und nach Ungarn. In dieser Zeit siedelten sich auch die ersten Kroaten im Burgenland an, von denen heute noch 60.000 dort leben. Im Westen Ungarns beläuft sich die Zahl der Burgenlandkroaten noch auf 10.000, die der übrigen ist mit 100.000 allerdings noch etwas höher, meist in den angrenzenden Gebieten. Für die Slowakei gibt es keine genauen Zahlen.

In der Wojwodina, dem nördlichen Teil Serbiens, sind nach der Volkszählung von 2002 noch circa 60.000 Kroaten ansässig. In Montenegro wurden 2003 circa 7000 Kroaten gezäh…